Gyude Bryant Geschäftsmann mit christlichen Idealen

Verhandlungsgeschick hat Gyude Bryant häufig bewiesen. Und er lässt sich von christlichen Idealen leiten. Auf der politischen Bühne hat der neue Staatschef Liberias allerdings bislang kaum eine Rolle gespielt.

Der Mann, der Liberia nach dem 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg aus der Krise führen soll, blieb, als zahlreiche Politiker und Prominente vor Folter und Gefängnis ins Exil flohen. Er setzte sich schon 1997 gegen den damaligen Präsidentschaftskandidaten Charles Taylor ein, und jetzt steht Gyude Bryant selbst an der Spitze Liberias. Der 54-jährige Geschäftsmann wurde zum Führer der neuen Übergangsregierung ernannt.

"Ich habe diese Aufgabe übernommen, weil ich glaube, dass mein Land eine Zeit der Beruhigung braucht", sagte Bryant wenige Stunden nach seiner Ernennung. Seine Übergangsregierung werde eine Aufgabe für alle Liberianer haben, außer für Taylor, erklärte er.

Wirtschaftswissenschaftler und Parteivorsitzender

Bryant studierte an der Cuttington-Universität in Liberia Wirtschaftswissenschaften, anschließend war er in den 70er Jahren bei der nationalen Hafenbehörde Chef der Planungs- und Entwicklungsabteilung. Seine Frau und die drei Kinder flohen während des letzten blutigen Bürgerkriegs ins Exil. Bryant ist Vorsitzender einer Firma, die im Bergbau und im Geschäft mit Hafenanlagen tätig ist, außerdem ist er Vorsitzender der Liberianischen Aktionspartei.

Bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach einem siebenjährigen Bürgerkrieg leitete Bryant 1997 eine Allianz von sechs Parteien zur Unterstützung von Taylors Gegenkandidaten. Dieser gewann dennoch - vor allem wegen der Befürchtungen der Bürger, er könnte im Fall einer Wahlniederlage den Bürgerkrieg wieder aufflammen lassen.

Versöhnung statt Verfolgung

Obwohl es in den vergangenen Jahren landesweit zu Vergewaltigungen, Folter und Entführungen kam, schloss Bryant ein Kriegsverbrechertribunal für Liberia aus. "Ich glaube, das würde mehr Schaden als Nutzen anrichten. Wir sollten uns vielmehr auf die Versöhnung konzentrieren", sagte er.

Die Vereinten Nationen forderte der Übergangspräsident auf, die Sanktionen gegen Liberia aufzuheben, die während Taylors Regime wegen illegaler Geschäfte mit westafrikanischen Rebellengruppen erhoben wurden. "Wir müssen dringend etwas unternehmen, um die Wunden zu heilen, und ich glaube, mit der Unterstützung der Welt können wir das", sagte Bryant.

Sein wichtigstes Anliegen sei jedoch die Entwaffnung der liberianischen Kämpfer. Eine ganze Generation junger Männer und Jugendlicher hätte nichts anderes kennen gelernt als Zivilisten zu terrorisieren, Drogen zu nehmen und zu töten. Es gehe darum, "die Waffen aus den Händen dieser jungen Leute zu bekommen, und sie nicht nur zu entwaffnen, sondern ein geeignetes und effektives Programm aufzubauen, das ihre Zukunft als gute Bürger sichert."

"Wir werden unser Bestes tun"

Die zwei Jahre, für die ernannt wurde, seien zu kurz, um effektiv etwas zu leisten, gab Bryant zu. "Aber wir werden unser Bestes tun."

Kwasi Kpodo DPA

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