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Bolsonaro in der Kritik: Hat sich Brasiliens rechter Präsident mit seinem Amazonasbrand-Management verzockt?

Die Brände im Amazonas betrachtet Brasiliens Präsident als nationale Angelegenheit. Anders als die Brasilianer, die zunehmend unzufrieden mit dem Feuer-Krisenmanagement von Jair Bolsonaro sind. 

Bolsonaro weiter in der Kritik: Brasilien will effizienter gegen Amazonas-Waldbrände vorgehen

Um die Popularität des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro stand es auch schon vor dem Streit um die Bekämpfung der Amazonsasbrände eher mau. Gerade einmal 33 Prozent der Brasilianer waren im Juli mit dem Staats- und Regierungschef zufrieden. Nun sind nur noch 29 Prozent wie eine Umfrage im Auftrag der Zeitung "Folha de São Paulo" ergeben hat. Grund für den Absturz: Bolsonaros Krisenmanagement im Amazonas: 51 Prozent der Befragten sagten, sein Umgang mit den Bränden sei "schlecht", 21 Prozent betrachten sie als "mittelmäßig" und nur 25 Prozent als "gut".

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Bolsonaro weist Hilfsangebot zurück

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 82 Prozent zu. Der brasilianische Präsident hatte jüngst ein Soforthilfe-Angebot der G7-Staaten in Höhe von umgerechnet 18 Millionen Euro zurückgewiesen. Mehr als zwei Drittel der Brasilianer sind laut der Umfrage der Ansicht, dass Brasilien zum Erhalt des Amazonas Hilfen aus dem Ausland in Anspruch nehmen solle.

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Insgesamt sind fast 90.000 Brände registriert worden. Der Rechtspopulist Bolsonaro behauptet unter anderem, dass Nichtregierungsorganisationen (NGO) die Waldbrände gelegt haben könnten, um sich für die Streichung öffentlicher Mittel zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren. Zuletzt trat ein 60-tägiges Verbot des Abbrennens von Flächen in Kraft, das Bolsonaro per Dekret anordnete. Seitdem wurden auf Satellitenaufnahmen aber Tausende neue Brände entdeckt. Umweltschützer machen den Präsidenten dafür verantwortlich, dass Rodungen und Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben. Der Staatschef ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert.

Wen schickt Brasilien zum Amazonas-Gipfel? 

Seine geplante Teilnahme an einem Gipfel zu den verheerenden Waldbränden in der Region hat Bolsonaro aber wieder abgesagt. Er müsse sich auf einen für nächste Woche anberaumten medizinischen Eingriff vorbereiten, sagte ein Regierungssprecher. Die Regierung in Brasília erwägt demnach, einen Stellvertreter zu dem Gipfel nach Kolumbien zu schicken oder um eine Verschiebung des Treffens zu bitten. Bolsonaro war während des Wahlkampfs im vergangenen Jahr niedergestochen worden und muss deshalb nun zum vierten Mal operiert werden.

nik / DPA / AFP