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Heimkehr: Entführte Journalistin ist wieder in Frankreich

Glücklich und gesund ist die französische Journalistin Florence Aubenas nach fünf Monaten Geiselhaft im Irak wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Umstände ihrer Befreiung blieben aber auch nach ihrer Rückkehr noch im Dunkeln.

Die Freude kannte keine Grenzen als die französische Journalistin Florence Aubenas nach mehr als fünf Monaten Geiselhaft am Sonntagabend in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Ganz Frankreich feierte eine riesige Willkommensparty für die Heimkehrerin. Auf dem Pariser Place de la Bastille wurde ein großes Fest veranstaltet. Präsident Jacques Chiras teilte in einer TV-Ansprache mit: "Florence ist bei guter Gesundheit, eine ganze Nation ist glücklich". Und Aubenas Schwester Sylvie erklärte, sie sei "verrückt vor Freude". "Ich möchte alle küssen", freute sich auch die Leiterin des Aubenas- Unterstützungskomitees, Marie-Ange Rodeaud. Kollegen der "Liberation" brachen in Tränen aus, als sie die gute Nachricht erhielten.

Aubenas und ihr Fahrer Hussein Hanun waren am 5. Januar wenige Tage nach der Freilassung ihrer im Irak entführten Kollegen Georges Malbrunot und Christian Chesnot in Bagdad verschleppt worden. Anfang März war ein Video der Entführer veröffentlicht worden, auf dem die sichtlich mitgenommene Geisel um Hilfe flehte und erklärte, sie sei bei schlechter Gesundheit. Hanun blieb nach seiner Freilassung in Bagdad bei seiner Familie.

"Es war hart"

Als Aubenas schließlich auf dem Militärflughafen Villacoublay zusammen mit Außenminister Philippe Douste-Blazy aus dem Flugzeug stieg, wartete neben ihren Angehörigen auch Chirac auf sie. Freudestrahlend umarmte die Reporterin der Zeitung "Libération" ihre Mutter und den Präsidenten. Anschließend stellte sie sich kurz den Reportern und bedankte sich bei allen, die sich für ihre Befreiung eingesetzt haben. Zu den Bedingungen, unter denen sie festgehalten wurde, sagte sich lediglich: "Es war hart". Sie sei in einem Keller mit verbundenen Augen und Fesseln an Händen und Füßen zusammengekauert gewesen. Einmal jedoch hätten die Entführer ihr erlaubt, ihre Augenbinde abzunehmen und im französischen Fernsehen die Unterstützung ihrer Landleute zu sehen.

Auf die Frage, ob sie, wie berichtet, mit rumänischen Journalisten in einem Raum gefangen gewesen sei, sagte sie allerdings: "Nein". Die Rumänen waren vor knapp drei Wochen freigekommen. Eine von ihnen, die TV-Reporterin Marie-Jeanne Ion, hatte erklärt, Aubenas in Geiselhaft kennen gelernt zu haben. Weitere Informationen werde sie auf einer Pressekonferenz am Dienstag geben.

Umstände der Entführung sind unklar

Nach Aubenas’ Dementi bleiben die Umstände ihrer Entführung und Geiselhaft weiter unklar. Die Befreiung Aubenas’ und ihres Fahrers sei alles andere als einfach gewesen, sagte der französische Botschafter in Bagdad, Bernard Bajolet, in einem Radiointerview. "Es war eine gefährliche Operation für unsere Leute, außerordentlich gefährlich." Nähere Informationen über die Befreiung Aubenas’ wurden zunächst nicht bekannt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hatte am Samstag angedeutet, dass möglicherweise Lösegeld gezahlt worden sei, dies aber später wieder zurückgezogen. Das französische Außenministerium wies dies ebenfalls zurück. "Es gab definitiv keine Geldforderungen", sagte ein Regierungssprecher dem Radiosender "Europe 1". Auch zu den Motiven der Geiselnehmer sagte er nichts. Berichte, denen zufolge eine kriminelle Organisation hinter den Entführungen stecke, wurden nicht bestätigt.

DPA / DPA