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Hupkonzerte und Freudenschüsse Libyen feiert Festnahme von Gaddafis Sohn Saif al Islam


"Allahu akbar"-Rufe, Hupkonzerte und Freudenschüsse: Die Menschen in Bengasi haben am Samstag ausgelassen und erleichtert die Festnahme des Gaddafi-Sohns Saif al Islam gefeiert.

Viele fahren spontan mit ihren Autos zum Tahrir-Platz, dem Symbol des Aufstands in der Küstenstadt Bengasi, in der die libysche Revolution im Februar begann. Dabei schwenken sie die neue libysche Fahne, die das grüne Banner der jahrzehntelangen Herrschaft von Muammar al Gaddafi ersetzt hat.

"Es ist eine unbeschreibliche Freude", sagt Redscheb el Sueiri. Er ist mit seiner kleinen Enkeltochter gekommen, die er auf den Schultern trägt, um den Tag zu feiern. "Eine der letzten Säulen der Ära Gaddafi ist gefallen", sagt der 19-jährige Student Omar Abderrahim, der eine Schärpe in den Farben der neuen libyschen Flagge trägt. "Das ist ein sehr gutes Omen für das befreite Libyen."

Auch Fariha Fakrun lässt ihrer Freude über die Festnahme des 39-jährigen Gaddafi-Sohnes freien Lauf: "Er bedrohte uns mit seinem Zeigefinger, und nun schneiden sie ihm die Finger ab." Die Hausfrau bezieht sich auf das erste Bild von Saif al Islam, welches das libysche Fernsehen kurz nach dessen Festnahme verbreitete. Der Gaddafi-Sohn lehnt dabei an einer Bettkante, drei Finger seiner rechten Hand sind verbunden, seine Beine in eine Decke gehüllt.

Symbol für die Unterdrückung des libyschen Volkes

Dem Sohn Gaddafis schlägt offener Hass entgegen. Einst galt er als gemäßigter Reformer, der irgendwann die Nachfolge seines Vaters antreten würde, doch mit dem Beginn der Revolte wurde er zum Symbol für die Unterdrückung des libyschen Volkes. Niemand hat seinen Auftritt im libyschen Staatsfernsehen zum Beginn der Revolte vergessen, als er mit seinem Finger auf die Aufständische zeigte und ihnen mit einem Blutbad drohte.

Etliche Einwohner von Bengasi sagen, Saif al Islam solle der Prozess gemacht werden - aber er solle nicht hingerichtet werden. "Wenn wir wirklich ein Rechtsstaat werden wollen, dann müssen wir mit Saif ein Beispiel geben", sagt Ahmed el Alam, ein Fischer, der nach eigenen Angaben unter Gaddafi im Gefängnis saß. Ein anderer pflichtet ihm bei: Gaddafis Sohn müsse ein ordentlicher Prozess gemacht werden - und das in Libyen.

Saif al Islam wird seit Juni vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht. Seine Festnahme erleichterte nun alle, die in ihm eine Gefahr für das neue Libyen sahen. Er war "eine direkte Bedrohung für die Revolution", sagt Adel Suaua. "Er hat Geld und konnte sich Söldner leisten." Der Geschäftsmann Idriss Abdelmalek geht davon aus, dass Saif al Islam einen Aufstand finanziert hätte, um die neue Führung in Libyen scheitern zu lassen.

Gestern der Gelockte, heute der Kahle

Auf dem Tahrir-Platz in Bengasi geht das Freudenfest weiter. Ein Mann hat ein paar Takte komponiert, in dem er die "Glatze" - der Spitzname Saif al Islams wegen seines rasierten Schädels - verhöhnt. "Glatze, die Revolutionäre haben dich erwischt, wo ist jetzt dein Vater, Glatze?", singt er unter dem Gelächter der Umstehenden. "Gestern haben wir den Gelockten (Gaddafi) geschnappt, heute den Kahlen", sagt ein anderer.

Inès Bel Aïba, AFP AFP

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