HOME

Internet: Indien sperrt hunderte Pornoseiten

In Indien ist eine Debatte über Meinungsfreiheit entbrannt. Grund ist die Anordnung der Regierung, hunderte Pornoseiten zu sperren. Angeblich gilt die Maßnahme der Bekämpfung von Kinderponrografie.

Die indische Regierung hat am Montag die Schließung hunderter Pornoseiten im Internet angeordnet und damit eine landesweite Diskussion über Meinungsfreiheit ausgelöst. Nach Angaben eines Sprechers des Telekommunikationsministeriums wurden Internet-Provider angewiesen, 857 "anstößige" Seiten zu blockieren. Mit der Anweisung reagierte die Regierung laut dem Sprecher auf Vorhaltungen des Obersten Gerichts, das ihr im vergangene Monat vorgeworfen hatte, nichts gegen Kinderpornografie im Internet zu unternehmen. Die Richter hatten damals aber ausdrücklich ein allgemeines Verbot von Pornoseiten abgelehnt.

An der Diskussion in den sozialen Medien beteiligten sich am Montag auch zahlreiche Prominente. Der Schriftsteller Chetan Bhagat schrieb unter dem Hashtag #Pornban im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Kein Pornoverbot! Stoppt Männer, die Frauen anzüglich anstarren oder angrinsen, begrapschen, sexuell belästigen und missbrauchen, erniedrigen und vergewaltigen. Verbietet nicht einvernehmlichen Sex, aber nicht Sex an sich!"

Heftige Kritik von der Opposition

Der Oppositionsabgeordnete Milind Deora erklärte, es gehe nicht darum, ob man Pornos mag oder nicht, sondern um die "Beraubung der persönlichen Freiheit durch die Regierung". Auf Twitter schrieb er: "Was kommt als nächstes? Ein Verbot von Telefon und Fernsehen?"

Indien sieht sich dem Vorwurf strenger Zensurmaßnahmen im Internet ausgesetzt. Im Jahr 2012 wurden 300 Websites, Bilder und Links auch auf Seiten wie Facebook und Twitter mit der Begründung blockiert, sie verbreiteten Gerüchte, mit denen ethnische Spannungen angeheizt würden.

tis / AFP
Themen in diesem Artikel