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Folgen des Brexit Insel Jersey – Streit um Fisch zwischen Briten und Franzosen eskaliert

Bei trübem Wetter liegt ein Fischerboot vor der Insel Jersey.
Ein französisches Fischerboot vor der Insel Jersey. Es nimmt an den Protesten gegen die Fischfangrechte zwischen Großbritannien und Frankreich teil.
© Sameer Al-Doumy / AFP
Vor der Kanalinsel Jersey hat der Streit um Fischfangrechte zwischen Frankreich und Großbritannien einen Höhepunkt erreicht. Premier Boris Johnson schickte sogar Patrouillenboote in die Gegend.

Um die Insel Jersey im Ärmelkanal spitzt sich der Streit um Fangmengen für Fisch zu. Französische Fischer sind aufgebracht und machten am Donnerstag ihrem Ärger mit einer Blockade Luft. Die Fischer aus Frankreich kritisieren, dass sie nach dem Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union nur schleppend Lizenzen erhalten. Schon während der Verhandlungen zum Brexit galt das Thema Fischfangrechte als eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme. Zeitweise drohten die Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt an der Fischfrage zu scheitern. Jetzt eskaliert der Streit.

50 Fischerboote blockieren den Hafen von St. Helier

Französische Fischerboote hätten sich am Donnerstagmorgen so im Hafen von Jerseys Hauptstadt St. Helier positioniert, dass Fischerboote von dort nicht auslaufen konnten, berichtete der Sender France 3. Sie seien in der Nacht zu Donnerstag etwa aus dem Küstenort Barneville-Carteret, begleitet von einigen Fischern aus der Bretagne, in Richtung der Kanalinsel aufgebrochen. Der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge haben sich vor St. Helier mehr als 50 französische Fischerboote versammelt.

Hintergrund der Auseinandersetzungen sind Uneinigkeiten über Gesamtfangmengen und deren Aufteilung. Auch Frankreichs Meeresministerin Annick Girardin hatte sich bereits in den Streit eingeschaltet und war ihren Landsleuten beigesprungen: Sie drohte aus Ärger über die nach ihrer Ansicht zu langsame Vergabe von Fischereilizenzen auf der Kanalinsel für französische Fischer mit Vergeltung und erwähnte dabei die Stromversorgung Jerseys über ein Unterseekabel.

Druckmittel im Streit um Fischereilizenzen: Jersey bezieht seinen Strom aus Frankreich

Jersey erhält 95 Prozent seiner Elektrizität über drei Unterwasserkabel aus dem nur 25 Kilometer entfernten Frankreich. Die Insel mit ihre knapp 100.000 Einwohnern ist als Kronbesitz nicht Teil des Vereinigten Königreichs, London ist aber für die Außen- und Verteidigungspolitik verantwortlich.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson hatte am Vortag zwei Patrouillenboote zu der Kanalinsel geschickt, um die Lage zu überwachen. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, eine Blockade der Insel solle verhindert werden, hatte ein Sprecher der Regierung im London am Mittwoch dazu gesagt.

Boris Johnson spricht von "ungebrochener Unterstützung"

In einem Telefonat mit Jerseys Verwaltungschef John Le Fondre und dem für Außenangelegenheiten zuständigen Senator Ian Gorst habe Johnson seine "ungebrochene Unterstützung" unterstrichen. Zugleich habe er auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Lage zu deeskalieren, sagte sein Regierungssprecher.

Bei Frankreichs Fischern herrscht schon seit längerem Wut über den Zugang zu britischen Gewässern nach dem Brexit. In der Vergangenheit kam es im Ärmelkanal zu Zusammenstößen von britischen und französischen Fischern.

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anb DPA AFP

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