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Internationaler Gipfel Jolie und Kerry setzen Zeichen gegen sexuelle Gewalt


Sexuelle Gewalt als Kriegsmittel hinterlässt seelische Narben, die niemals heilen. Neben Angelina Jolie fordert auch US-Außenminister Kerry null Toleranz gegen die Vergehen - nun müssen Taten folgen.

Die Geschichten sind schon beim Zuhören kaum zu ertragen. Die Mutter, deren Kinder vor ihren Augen von dem Soldaten getötet werden, der sie dann vergewaltigt. Die junge Frau, die nach einer Vergewaltigung von ihrem Mann, ihren Eltern und dem ganzen Dorf verstoßen wird. Das Mädchen, das den Folterknecht ihrer Mutter heiraten muss. Zahllose dieser Geschichten waren in den vergangenen Tagen in London zu hören, erzählt von Frauen, die sie selbst erlebt haben oder Augenzeugen wurden.

Der internationale Gipfel gegen sexuelle Gewalt im Krieg, zu dem Großbritanniens Außenminister William Hague und die Schauspielerin Angelina Jolie geladen hatten, wollte eine klare Botschaft senden: So kann und darf es nicht weiter gehen. "Unsere Arbeit ist ganz am Anfang", sagte Jolie zum Abschluss am Freitag. Das Thema dürfe nicht von der internationalen Agenda verschwinden. Die 39-Jährige setzt sich als UN-Sonderbotschafterin seit Jahren für vergewaltigte Frauen und Mädchen ein und trifft sie immer wieder persönlich, etwa in Bosnien oder im Kongo.

Sexuelle Gewalt kein "Frauenthema"

Sexuelle Gewalt sei kein "Frauenthema", betont Jolie. Systematische Vergewaltigungen und Missbrauch könnten Gesellschaften über Generationen traumatisieren oder ganz zerstören. Vergewaltigungen werden deswegen gezielt als Kriegstaktik eingesetzt, um Überlegenheit zu beweisen, wie unter anderem Amnesty International erklärt. Überlegenheit nicht nur über vergewaltigte Frauen, sondern auch über die Männer, die sie nicht beschützen können.

Kinder anzugreifen sei "der schnellste Weg, Angst zu verbreiten, die Kontrolle und einen militärischen Vorteil zu gewinnen und die Struktur der Gesellschaft zu zerstören", erklärt Unicef. Mehr als 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen erfahren dem Kinderhilfswerk zufolge Jahr für Jahr sexuelle Gewalt. Kinder in Konfliktregionen sind am stärksten gefährdet.

Dramatische Folgen für die Gesellschaft

Die Folgen sind dramatisch - für die Gesellschaft wie für die Individuen. "Verletzungen, HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten, ungewollte Schwangerschaften, traumatische Erkrankungen, Depression, posttraumatischer Stressstörungen und Angstzustände", zählt Claudia García-Moreno von der Weltgesundheitsorganisation in der aktuellen Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" auf. Auch zu Stigmatisierung und sozialer Ablehnung könne es kommen.

"In diesem Moment werden junge Leben in Syrien und im Südsudan zerstört", sagte Angelina Jolie. Ihr Partner Brad Pitt saß im Publikum in der ersten Reihe.

Das Hollywood-Traumpaar zog gewaltiges Medieninteresse auf den Londoner Gipfel, doch die eigentlich Mächtigen standen während der Pressekonferenz neben der Oscar-Preisträgerin. Den Worten sollen Taten folgen, versicherten US-Außenminister John Kerry und sein britischer Kollege William Hague. Die Frage ist: Welche?

Schutz von Opfern schwierig

Kerry zählte einige Pläne auf: "Null-Toleranz" gegen die Verbrechen, keine Visa für die Täter, keine Friedensverträge, die ihnen Amnestie versprechen. Den Opfern müsse mal helfen, aus dem Schatten zu treten und wieder mündige Bürger zu werden.

Viel Applaus und Jubelrufe erntete der Amerikaner für die Forderung, Frauen stärker in Friedensprozesse einzubeziehen. "Kein Team kann gewinnen, wenn es die halbe Mannschaft auf der Bank lässt", rief er dem Publikum zu, in dem Überlebende unsäglicher Gräueltaten saßen.

Das klingt gut, doch auch Kerry dürfte klar sein, wie schwer solche Vorhaben in Regionen umzusetzen sind, wo der Krieg bereits Millionen Familien traumatisiert hat, wo Kriegsherren das Sagen haben und es keine Behörden gibt, an die Gewaltopfer sich wenden können.

Von Teresa Dapp, DPA DPA

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