Irak Bremer bittet UN um Rückkehr


Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, und UN-Generalsekretär Kofi Annan treffen heute in New York zu Gesprächen zusammen. Es geht um die künftige Rolle der Vereinten Nationen am Tigris. Zur Zeit sind die Vereinten Nationen nicht im Irak vertreten.

Die künftige Rolle der Vereinten Nationen im Irak steht im Mittelpunkt der heutigen Gespräche zwischen US- Zivilverwalter Paul Bremer und UN-Generalsekretär Kofi Annan. Diplomatische Beobachter rechnen damit, dass Bremer den UN-Generalsekretär in New York um aktive Unterstützung im Irak bitten wird. In welchem Umfang die USA und der von ihnen ausgewählte Regierungsrat die Vereinten Nationen im Irak einbinden wollen, wird mit Spannung erwartet. Annan zögert nach dem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August und weiteren Angriffen auf humanitäre Hilfsorganisationen, wieder Mitarbeiter in den Irak zurückzuschicken.

Mindestens 23 Menschen getötet

Erst am Sonntag waren beim schwersten Anschlag seit Jahresbeginn vor dem Sitz der US-Verwaltung in Bagdad mindestens 23 Menschen getötet worden. Mehr als 60 Iraker seien durch die Explosion zum Teil schwer verletzt worden, sagte Hamid el Kafai, der Sprecher des provisorischen Regierungsrats, in Bagdad. Nach US-Militärangaben zündete ein Selbstmordattentäter vor einem Tor zum Sicherheitsbereich der Amerikaner eine Autobombe. Die irakische Polizei sprach sogar von bis zu 35 Todesopfern.

Kritiker der amerikanischen Irak-Politik fürchten, dass es sich bei Bremers Vorstoß bei den Vereinten Nationen vorwiegend um einen Schachzug der US-Regierung im Wahljahr 2004 handeln könnte. In seinem Abkommen mit dem provisorischen Regierungsrat vom November hatte Washington die Vereinten Nationen noch von allen politischen Aufgaben im Irak ausgeklammert. Nach Angaben von UN-Sprecher Fred Eckhard werden die Vereinten Nationen die Vorschläge von Bremer und dem Regierungsrat in Bagdad reiflich prüfen, bevor sie eine Entscheidung über ihren Einsatz im Irak treffen.

Streit über zukünftige irakische Regierung

Unterdessen ging der Streit darum weiter, wie die für Ende Juni geplante Bestimmung einer neuen provisorischen Regierung ablaufen soll. Regierungsratsmitglied Mahmud Othman sagte, wenn die Ernennung eines Nationalrats nur unter Aufsicht der Amerikaner erfolgen sollte, hätte das Gremium in den Augen der Iraker nicht genügend Legitimität. Er rief deshalb europäische Staaten auf, sich an dem Prozess zu beteiligen. Auch dürften im neuen Nationalrat nicht nur Mitglieder von Gruppierungen sitzen, die bereits im jetzigen Regierungsrat vertreten seien.

In Tikrit, der Heimatstadt des gefangenen Ex-Präsidenten Saddam Hussein, starben in der Nacht zum Sonntag zwei Iraker, als ein Sprengsatz in ihrem Auto explodierte, während sie neben einem US-Konvoi anhielten. Wie der arabische Fernsehsender El Dschasira unter Berufung auf US-Soldaten berichtete, planten die Männer einen Anschlag. Zwei britische Soldaten wurden nach Angaben des Senders am Sonntag bei einem Sprengstoffanschlag auf ihre Patrouille im südirakischen Basra verletzt.

Drei US-Soldaten getötet

Mit dem Tod von drei US-Soldaten bei einem Bombenanschlag am Samstag war die Zahl der im Irak seit Kriegsbeginn ums Leben gekommenen Amerikaner auf 500 gestiegen. Wie aus Statistiken des Pentagon hervorgeht, starben 346 US-Soldaten durch "feindliche Aktionen". 154 kamen auf andere Weise ums Leben, etwa durch Unfälle oder Selbstmord.

DPA

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