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Irak-Geiseln: Islamisten drohen Deutschland mit Terror

In einer Videobotschaft, die auf islamistischen Internetseiten verbreitetet wurde, sind Deutschland und Österreich aufgefordert worden ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Diese Forderungen stellten auch schon die Entführer der beiden deutschen Irak-Geiseln.

Eine islamistische Gruppe hat Deutschland und Österreich am Samstag geraten, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, um Anschlägen in den beiden europäischen Ländern vorzubeugen. Die Zusammenarbeit mit US-geführten Truppen könnte Anschläge provozieren, erklärte die Gruppe, die sich selbst "Stimme des Kalifat Kanal" nennt. Die Video-Botschaft wurde auf derselben Internetseite veröffentlicht, auf der zuvor die Entführer der beiden im Irak verschleppten Geiseln ebenfalls den Abzug der deutschen Soldaten gefordert hatten. Sollte der Abzug nicht binnen zehn Tagen beginnen, erklärten die Entführer, würden die beiden Deutschen getötet. Die Internetseite wird häufig von Extremisten benutzt wird, auch vom Netzwerk Al-Kaida.

Auch Österreich mit Terror bedroht

"Warum solltest Du (Deutschland) all diese wirtschaftlichen Interessen gefährden wollen für das Wohl von Bush und seiner Bande", sagte die Stimme auf Arabisch. "Ist es nicht dumm, die Mudschahedin zu ermutigen, Anschläge in eurem Land zu verüben?" In Österreich sei der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig, fügte der Sprecher dann an das deutsche Nachbarland gerichtet hinzu. Das könne sich jedoch ändern, wenn das Land Ziel eines islamistischen Anschlages werde. "Österreich hat kein Interesse an solch einem Krieg, der ein Krieg zwischen den Mudschahedin und Amerika ist und denen, die sich selbst dort einreihen", erklärte die Stimme weiter.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Meldung am Abend nicht kommentieren. Der Bundestag hatte am Freitag der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes durch die Entsendung von sechs deutschen Aufklärungstornados und 500 Soldaten zugestimmt. Derzeit sind rund 3000 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Österreich ist seit 2002 in Afghanistan vertreten. Das derzeitige Mandat läuft bis Ende des Jahres und dann entscheidet der Ministerrat über eine mögliche Verlängerung.

Video-Botschaft seit Freitag bekannt

Österreich - das einem Sprecher des Verteidigungsministers zufolge lediglich fünf Offiziere in Afghanistan stationiert hat - leitete umgehend Schutzmaßnahmen ein. "Uns ist die Videobotschaft selbstverständlich bekannt," sagte der Sprecher Stefan Hirsch. "Wir haben umgehend die größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen für unsere Offiziere in Kabul." Sie seien angewiesen worden, den Bereich des ISAF Hauptquartiers nicht zu verlassen. Auch das Innenministerium sei informiert worden. "Das Video wird ausgewertet, mehr kann ich derzeit dazu auch nicht sagen."

Die Botschaft der Gruppe, die sich "Stimme des Kalifat Kanals" nennt, werde von Experten ausgewertet, hieß es in Wien. Das österreichische Innenministerium sprach von einer sehr "abstrakten" Bedrohung, wie es sie "leider öfter" im Internet gebe. Die Videobotschaft sei den Behörden seit Freitagabend bekannt.

Geiselvideo könnte auch Druckmittel für Erpressung sein

Die Kidnapper der vor einem Monat im Irak verschleppten beiden Deutschen haben mit der Ermordung der Geiseln gedroht, wenn die Bundeswehr nicht innerhalb von zehn Tagen aus Afghanistan abzieht. In einem Geiselvideo, das am Samstag auf einer Islamisten-Internetseite auftauchte, bittet die verschleppte 61 Jahre alte Hannelore Marianne K. unter Tränen Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier versicherte in Berlin, die Bundesregierung werde nichts unversucht lassen, um die beiden entführten Deutschen freizubekommen.

Sicherheitsexperten der Bundesregierung werten die Morddrohung mit Ultimatum laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" als Druckmittel für eine spätere Lösegeldforderung. Die Zeitung beruft sich auf Berliner Regierungskreise. Offenkundig seien die Entführer im Irak enttäuscht vom bislang geringen öffentlichen Echo ihrer Tat in Deutschland. Deshalb hätten sie das Video angefertigt.

DPA/Reuters / DPA / Reuters