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Irak: Gewalt eskaliert

Die Spirale der Gewalt dreht sich im Zweistromland immer weiter, die Sabotageakte häufen sich. Bei der Explosion eines Munitionslagers sollen bis zu zwölf Menschen ums Leben gekommen sein. Britische Soldaten retteten ein Baby in einer Munitionskiste.

In der nordirakischen Stadt Tikrit ist am Montagmorgen ein Munitionslager explodiert. Es werde befürchtet, dass dabei bis zu zwölf Menschen ums Leben kamen, berichtete der arabische Fernsehsender El Dschasira. Nach Angaben von Augenzeugen wurden einige der Opfer unter den Trümmern verschüttet. Die Explosionsursache war noch unklar, die US-Streitkräfte in der Stadt äußerten sich zunächst nicht zu dem Zwischenfall.

Razzia der US-Armee

Laut El Dschasira ereignete sich die Explosion, während die US- Armee eine neue Razzia gegen Anhänger des gestürzten Diktators Saddam Hussein im Gebiet von Tikrit unternahm. Die Soldaten hätten eine Reihe von Häusern durchsucht, darunter auch das des Schwiegervaters von Saddams getötetem Sohn Kusai. Über mögliche Festnahmen wurde nichts berichtet.

Nach Attentaten auf eine wichtige Öl-Pipeline und eine Hauptwasserleitung in Bagdad war am Sonntag das größte Gefängnis des Iraks Ziel eines Anschlags. Mindestens sechs irakische Häftlinge kamen nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al Arabija ums Leben. 59 weitere Iraker seien bei dem Anschlag mit Mörsern in der Nacht zum Sonntag auf das Gefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad verletzt worden, zitierte der US-Nachrichtensender CNN einen offiziellen Militärsprecher in Bagdad.

Ein Video angeblicher Widerstandskämpfer

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira strahlte am Sonntag ein neues Video aus, in dem eine Gruppe angeblicher Widerstandskämpfer neue Angriffe auf die US-Truppen im Irak ankündigt. Das Band zeigt fünf vermummte Männer in Kampfanzügen und mit Schnellfeuergewehren sowie Panzerfäusten. Einer von ihnen verliest eine Erklärung der "Irakischen National-Islamischen Widerstandsbewegung", in der weitere Operationen gegen die US-Truppen angedroht werden.

Dagegen wird die Reparatur der Erdölleitung in die Türkei, die am Freitag bei einem Sabotageakt gesprengt worden war, noch Tage dauern. Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, bezifferte die Exportausfälle auf sieben Millionen Dollar täglich. Die knapp 1000 Kilometer lange, unterirdisch verlaufende Ölleitung von Kirkuk zum türkischen Ölterminal Ceyhan war am Freitag gesprengt worden. Noch am Sonntag schlugen Flammen und schwarzer Rauch aus dem Leck. Die Reparatur werde mindestens fünf bis sieben Tage dauern, hatte der amtierende Ölminister Thamerel Ghadhban am Samstag mitgeteilt.

Ein Baby in der Munitionskiste

In einer verschlossenen Munitionskiste haben britische Soldaten in der südirakischen Stadt Basra ein zwei Tage altes Baby gefunden. Die Gefreiten trauten ihren Augen nicht, als sie bei einer Hausdurchsuchung auf die mit einem Vorhängeschloss verriegelte Metallkiste stießen: Darin lag das in eine Wolldecke gehüllte Mädchen zwischen Granatwerfern, AK-47-Gewehren, Munition, Messern und Bajonetten.

"Wir konnten zunächst keine Atmung feststellen und keinen Pulsschlag fühlen", sagte ein Militärsprecher. Einer der beiden Gefreiten, die die Kleine fanden, versuchte, sie mit Mund-zu-Mund-Beatmung wieder zu beleben. «Nach mehreren quälenden Minuten drückte sie den Finger des Gefreiten Kenny und begann wieder zu atmen», fügte der Sprecher hinzu. Die Soldaten nannten das Baby "Rose" - nach dem Emblem ihres Regiments.

Nach Militärangaben sind Mutter und Kind wieder vereint. Sie gab an, ihr Ehemann habe das Baby in die Kiste gesteckt. Der Verdächtige wurde nach Militärangaben festgenommen. "Es war ein Glücksfall, dass wir das Kind rechtzeitig fanden. Das ganze Haus war mit Waffen gespickt", sagte der Sprecher.

DPA