Irak Italien zieht seine Truppen ab


Italien will seine militärische Päsenz im Irak beendet. Die derzeit 2700 Mann starke Truppe soll bis zum Jahresende wieder in der Heimat sein. Damit löst Ministerpräsident Romano Prodi ein erstes Wahlversprechen ein.

Italien beginnt nach Medienberichten bereits im kommenden Monat mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak. Bis Oktober solle der Abzug dann nach den Plänen der neuen Regierung unter Ministerpräsident Romano Prodi abgeschlossen sein, berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Samstag. Demnach sollen schon im Juni 1100 der 2700 Italiener in ihre Heimat zurückkehren. Noch im Juni werde das bisherige Kontingent von etwa 2700 Mann auf 1600 verringert, bestätigte Außenminister Massimo D'Alema der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut deren Internetausgabe vom Samstag. "Ende diesen Jahres wird unsere militärische Präsenz im Irak beendet sein."

Ziviles Engagement wird ausgebaut

Außenminister Massimo D'Alema und Verteidigungsminister Arturo Parisi hätten diesen Zeitplan beschlossen. Prodi werde die Pläne offiziell im Juni vorstellen, wenn das Parlament über eine weitere Finanzierung der Mission "Antikes Babylonien" entscheiden muss, hieß es weiter. Das militärische Engagement solle durch ein ziviles ersetzt werden. Italien werde "die Regierung des Iraks in ihrem so schwierigen Bemühen, stabile Institutionen zu schaffen, nach Kräften unterstützen," fügte der Außenminister der vor kurzem ins Amt gekommenen Mitte-Links- Regierung hinzu.

"Das Versprechen der Wahlkampagne wird eingehalten", schrieb die Zeitung mit Blick auf Prodis Ankündigung vor den Parlamentswahlen, die Soldaten nach Hause zu holen. Die Truppen würden in enger Absprache mit den USA und Großbritannien sowie mit den irakischen Autoritäten abgezogen, hieß es. Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte im Juli 2003 zunächst mehr als 3000 Soldaten in den Irak geschickt. Das italienische Kontingent ist im Süden des Landes in Nasirija stationiert.

"Es wird keine Flucht geben"

Er erklärte indes, die Truppen würden nicht so schnell abgezogen wie damals die spanischen Soldaten nach dem Wahlsieg des Sozialisten Jose Luis Rodriguez Zapatero. "Es wird keine Flucht geben", so D'Alema.

Der Irak-Kriegsgegner Zapatero hatte 2004 die Parlamentswahl gewonnen, drei Tage nachdem Moslemextremisten bei Anschlägen auf Pendlerzüge in Madrid 191 Menschen getötet hatten. Zapatero zog die spanischen Soldaten aus dem Irak ab. Das hat auch Italiens neuer Ministerpräsident Romano Prodi als eine seiner ersten Amtshandlungen angekündigt. Bisher hatte er jedoch einen genauen Zeitplan vermieden.

Neue Anschlagswelle

Unterdessen wurden bei neuen Anschlägen im Irak mindestens sieben Menschen getötet. In Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Markt in die Luft und riss zwei Iraker mit in den Tod. In Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt, feuerten Unbekannte auf einen Wagen und töteten alle fünf Insassen. Bei den Opfern handelte es sich um Bauarbeiter.

AP/DPA AP DPA

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