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Irak: USA denken über massiven Truppenabzug nach

Einem Medienbericht zufolge hat das US-Militär in einem Szenario die schrittweise Reduzierung seiner Truppen im Irak durchgespielt. Ob die Pläne in die Tat umgesetzt werden, hängt von der Entwicklung im Irak ab.

Die US-Armee hat laut Medienbericht ein Szenario für einen massiven Truppenabbau im Irak entworfen, der noch vor den Kongresswahlen im Herbst beginnen soll.

Die "New York Times" berichtete auf ihrer Internetseite, der US-Kommandeur im Irak, General George Casey, habe sein Planspiel jüngst in einer geheimen Unterrichtung im US-Verteidigungsministerium vorgestellt. Der Umfang der Truppenreduzierung übersteige die Erwartungen vieler Experten und Analysten, berichtet die Zeitung, die den Artikel über das Geheim-Briefing auch in ihrer Sonntagausgabe bringt. Sie beruft sich dabei auf eingeweihte Quellen im US-Regierungsapparat. Erste Kontingente der derzeit noch 127.000 Mann starken US-Truppe im Irak sollen demnach bereits im September abgezogen werden - mehrere Wochen vor den im November anstehenden Kongresswahlen.

Zwei der 14 US-Kampfbrigaden sollten dann den Irak verlassen, ohne - wie bislang im Rotationsverfahren üblich - ersetzt zu werden. Eine Brigade hat laut "New York Times" etwa eine Mannschaftsstärke von 3500. Bis zum Ende nächsten Jahres solle die Zahl der US-Kampfgruppen im Irak schrittweise von derzeit 14 auf fünf bis sechs sinken.

Der Irak-Einsatz der US-Armee hat sich in den Vereinigten Staaten angesichts von mittlerweile mehr als 2500 getöteten eigenen Soldaten zu einem äußerst kontroversen Thema entwickelt. Die Umfragewerte von Präsident George W. Bush sind vor diesem Hintergrund in den Keller gerutscht. Die oppositionellen Demokraten scheiterten jüngst indes mit mehreren Anträgen im republikanisch dominierten Kongress, Bush den Beginn eines Truppenabzugs noch in diesem Jahr nahe zu legen.

Eher Prognose als Zeitplan

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf ihre Quellen, Caseys Szenario sei eher als eine Art Prognose zu verstehen denn als fester Zeitplan. Darin wird konkret eine schrittweise Reduzierung der US-Basen in dem Golfstaat vorgeschlagen. Bis Ende des Jahres soll ihre Zahl demnach von derzeit 69 auf 57 sinken. Im Juni 2007 verblieben noch 30, Ende 2007 wären es nur noch elf. Das Szenario stehe jedoch unter dem Vorbehalt, dass die Regierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki die Lage in dem von einem Rebellen-Aufstand erschütterten Land zunehmend besser in den Griff bekomme. Zudem müsse gewährleistet sein, dass der Aufstand nicht auf Gebiete außerhalb der sechs Zentralprovinzen Iraks übergreife.

Reuters / Reuters