ISRAEL Anschlag in einer Einkaufspassage


Mindestens 24 Personen sind bei einem Bombenanschlag in Tel Aviv verletzt worden. Der palästinensische Selbstmord-Attentäter zündete den Sprengsatz in einer beliebten Einkaufspassage.

Bei einem erneuten Selbstmordanschlag in der Innenstadt von Tel Aviv sind 24 Passanten teilweise schwer verletzt worden. Der Attentäter zündete einen mit Nägeln bestückten Sprengsatz in einer belebten Einkaufsstraße in der Nähe des alten Busbahnhofs, während er an einem Moped lehnte. Nur wenige Stunden zuvor hatte die radikale Hamas-Bewegung Rache für den Tod eines ihrer führenden Funktionäre geschworen. Dieser war bei einem israelischen Raketenangriff im Gazastreifen ums Leben gekommen.

»Eine gewaltige Explosion«

Der Selbstmordattentäter sprengte sich in einer Fußgängerzone mit zahlreichen kleinen Läden und Gaststätten in die Luft. »Die Explosion war gewaltig«, beschrieb ein Augenzeuge. »Menschen flogen durch die Luft.« Der Attentäter wurde bei der Detonation getötet, zwei der Verletzten schwebten nach Angaben der Polizei in Lebensgefahr.Die israelische Regierung machte den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat für den Anschlag verantwortlich. Dessen Autonomiebehörde habe nichts unternommen, um Extremisten zu stoppen. »Sie schmieden eine Koalition des Terrors«, wie es Danni Ajalon, ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, ausdrückte.

Hamas hatte Rache geschworen

Im Flüchtlingslager Chan Junis im Gazastreifen hatte sich zuvor etwa 2.000 Palästinenser zu einem Trauermarsch für den von Israel getöteten Hamas-Aktivisten Bakr Hamdan versammelt. Dessen Bruder, Ahmed Hamdan, sagte: »Hamas wird das Blut des Märtyrers nicht vergessen, und Hamas wird jeden Tropfen seines Blutes rächen.« Der Anschlag sei ein weiterer »Tropfen im See der Verbrechen und Massaker« des israelischen Ministerpräsidenten Scharon, so Hamas-Führer Mahmud Sahar. Israel müsse mit einer »schmerzlichen Antwort« rechnen.

In der Nacht zuvor hatte ein israelischer Kampfhubschauber das Auto des 28-jährigen Hamdan mit zwei Raketen angegriffen. Hamdan erlag dem Angriff, seine zwei Begleiter wurden schwer verletzt. Die israelische Armee erklärte, Hamdan sei für »Dutzende Terroranschläge gegen israelische Zivilisten und Soldaten im Gazastreifen« verantwortlich gewesen.Etwa zeitgleich mit dem Angriff auf Hamdan erschossen israelische Soldaten zwei Palästinenser, die in die jüdische Siedlung Kfar Darom im Gazastreifen eindringen wollten. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas - PFLP - erklärte, die beiden seien am Donnerstagabend als »Märtyrer« bei einem Angriff auf die Siedlung ums Leben gekommen.

Scharon darf Bush besuchen, Arafat nicht

Während die israelischen Truppen am Freitag aus Tira, einem Stadtviertel von Ramallah im Westjordanland, abzogen, verhaftete sie ungefähr zur gleichen Zeit in der Ortschaft Talusa zwei mutmaßliche Hamas-Aktivisten. Die US-Regierung äußerte Verständnis dafür, dass Israel Arafat faktisch unter Hausarrest gestellt hat. Scharon nahm die Einladung zu einem Besuch der USA an. Ein Treffen mit US-Präsident George W. Bush ist für den 7. Februar geplant. Dies wäre bereits die vierte Begegnung Bushs mit Scharon. Mit Arafat ist der US-Präsident noch nicht zusammengetroffen.


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