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Israel: Entsetzen über Sieg der Hamas

Die radikalislamische Hamas hat offenbar die Parlamentswahlen in Palästina gewonnen. In Israel ist das Entsetzen groß. "Das wird die Region in ein Chaos stürzen", prophezeite der ehemalige Außenminister Salmen Showal.

Die radikalislamische Hamas hat offenbar die Wahlen in den palästinensischen Gebieten gewonnen. Der bisherige Regierungschef Ahmed Kureia erklärte, er wolle zurücktreten. Man müsse die Entscheidung der Wähler respektieren, Hamas solle die neue Regierung bilden. Die moderate Fatah-Partei wolle sich nicht an der Regierung beteiligen, ließ am Donnerstag ein hochrangiger Funktionär verlauten.

Eine offizielle Bestätigung der Wahlkommission für den Erfolg der Hamas steht noch aus. Um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit will die Kommission eine Pressekonferenz gegeben. Hamas-Vertreter erklärten, sie hätten eine absolute Mehrheit der 132 Sitze.

"Auf dem goldenen Tablett"

In Israel hat der Erfolg der Hamas zu scharfer Kritik an der Politik Ariel Scharons geführt. Scharon liegt nach einem Schlaganfall im Koma, seine Partei Kadima stellt aber immer noch die israelische Regierung. "Auf dem goldenen Tablett des Gaza-Abzugs hat die Kadima-Regierung der Hamas den Sieg beschert", sagte der Vorsitzende der Partei Nationale Union, Zvi Hendel. Svulun Orlev von der nationalreligiösen Partei erklärte, die palästinensische Öffentlichkeit sei zu dem Schluss gelangt, dass Selbstmordattentate und Raketenattacken politisch nützlich seien.

Auch der linksorientierte Abgeordnete Jossi Beilin (Merez) kritisierte die Regierung: "Der einseitige Abzug aus dem Gazastreifen, nicht als Teil eines Abkommens mit (Palästinenserpräsident) Mahmud Abbas, hat die Hamas deutlich gestärkt." Der ehemalige israelische Außenminister Silwan Schalom meinte: "Dies ist ein Erdbeben, das uns um 50 Jahre zurückgeworfen hat, und die ganze Region ins Chaos stürzen wird. Leider wird Israel innerhalb kürzester Zeit unter unerträglichen Druck der internationalen Gemeinschaft kommen, die erklären wird, Hamas sei demokratisch gewählt."

Keine Verhandlungen mit Hamas

Ein Sieg der Hamas könnte den Friedensprozess im nahen Osten endgültig zum Stillstand bringen. Politische Vertreter Israels und der USA haben bereits angekündigt, nicht mit einer Hamas-Regierung zusammenzuarbeiten. Das israelische Sicherheitskabinett trat am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Die Hamas bestätigte ihrerseits die Feindschaft zu Israel. "Verhandlungen oder eine Anerkennung des jüdischen Staates stehen nicht auf unserer Agenda", sagte Muschir al Masri, der in seinem Wahlbezirk im Norden des Gazastreifens bei der Wahl am Mittwoch ein Mandat erringen konnte. Die Hamas ist für dutzende Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich, hat sich im vergangenen Jahr jedoch an eine Waffenruhe gehalten.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters