Italien Gespalten zwischen Papst und Berlusconi


Die Worte des Papstes sind unmissverständlich: "Niemals einer gegen den anderen, Nein zu Terrorismus und Krieg". Irak-Krieg belastet im katholischen Italien die amerikanischen Freundschaft

Die Worte des Papstes waren in jeder Phase des Irak-Konflikts unmissverständlich: "Niemals einer gegen den anderen, Nein zu Terrorismus und Krieg" - hieß es bereits Ende Februar auf dem Titelblatt des vatikanischen Sprachrohrs "L’Osservatore Romano". Immer und immer wieder hat sich das Oberhaupt der christlichen Religion gegen den bevorstehenden Krieg ausgesprochen - im katholischen Italien mit enormer Breitenwirkung in der Öffentlichkeit.

Taten vor Gott rechtfertigen

"Wer behauptet, dass die friedlichen Mittel, die das internationale Recht zur Verfügung stellt, ausgeschöpft wären, muss sich vor Gott, seinem Gewissen und der Geschichte verantworten", erklärte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls vor einer Woche zum Ablauf des amerikanischen Ultimatums an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein. "Derjenige wird seine Taten vor Gott rechtfertigen müssen."

Tägliche Demonstrationen

Im katholischen Italien haben diese Worte Wirkung gehabt - Zehntausende gingen seit Kriegsbeginn am vergangenen Donnerstag täglich auf die Straße, um für eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts zu demonstrieren. Tausende Schüler und Lehrer protestierten auch am Montag gegen den Krieg. Und der Druck seitens des Vatikans auf Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist hoch. Während der italienische Regierungschef in den vergangenen Wochen gegenüber den Medien oft davon sprach, Amerika mit allen Mitteln zu unterstützen, musste er vergangene Woche ein paar Gänge zurückschalten. Am Mittwoch stimmte das Parlament lediglich über seinen Antrag ab, den Amerikanern italienische Militärbasen zur Verfügung zu stellen - und auch diese Abstimmung war Anstoß für Diskussionen und Ausschreitungen.

Berlusconis Kurs umstritten

Nicht nur die Opposition bekundete ihren Widerwillen mit der Auslegung zahlreicher Friedensfahnen im Parlament. Auch in den eigenen Reihen zeigte sich der Unmut. Nur 304 von insgesamt 618 Abgeordneten waren für die Bereitstellung der Militärstützpunkte. Alessandra Mussolini und ihr Kollege von der Alleanza Nazionale, Publio Fiori, stimmten dagegen. Acht Abgeordnete, davon fünf von der Regierungsparteien Forza Italia, Alleanza Nazionale und der christdemokratischen UDC, enthielten sich.

Parteien gespalten

Wie sehr vor allem die christdemokratischen Politiker hin- und hergerissen sind zwischen päpstlichen Ermahnungen und ihrem Parteigehorsam zeigte sich auch im Senat, wo der Antrag auch nur die knappe Mehrheit erhielt. Zwei bekannte Senatoren, der ehemalige Staatspräsident Francesco Cossiga und der umstrittene Giulio Andreotti, sprachen sich gegen jegliche Unterstützung der USA aus. Krieg und Frieden auch im Hause Cossiga. Während der Vater gegen den Krieg stimmt, unterstützt Forza-Italia-Abgeordneter Giuseppe seinen Parteifreund Berlusconi. "Es geht hierbei nicht um ein Vater-Sohn-Duell", erklärte Cossiga junior. "Es geht hier um eine ernste Sache: den Krieg. Wir haben nun halt mal verschiedene Meinungen darüber, obwohl wir beide der Meinung sind, es ist eine Tragödie." Sein Vater meinte dazu nur, im Hause Cossiga habe liberales Denken Tradition. Daher habe der Sohn auch das Recht, seine eigene Meinung zu vertreten.

Friedensdemonstrationen lähmen das Land

Krieg oder Frieden ist in diesen Tagen Thema Nummer Eins in allen italienischen Haushalten. Kirche, Opposition, Gewerkschaften, Schulen, Universitäten haben in den vergangenen Tagen zu Friedensdemonstrationen aufgerufen und die Menschen sind ihnen gefolgt. Für Donnerstag haben auch die größten Gewerkschaften Italiens CGIL, CISL und UIL zu einem zweistündigen Streik am Nachmittag aufgerufen.

Kirche geschlossen gegen Kriegskurs

Doch ganz zum Widerwillen Berlusconis hat nicht nur die Opposition samt den Gewerkschaften sich für den Frieden ausgesprochen, sondern auch die Kirchen selbst und mit ihr die vielen christdemokratischen Wähler, die die jetzige Regierung mit ihrer Stimme unterstützt haben. "Verurteilt diesen Krieg und fordert sein Ende", predigte bereits am Dienstag Dionigi Tettamanzi, Erzbischof von Mailand. "Nutzt jedes demokratische Mittel um unsere christliche Stimme und die öffentliche Meinung zu Gehör zu bringen."

Rosenkränze und Hammerschläge gegen den Krieg

Die Berichterstattung in den Medien fasst in einem Satz die unterschiedlichen Bevölkerungs- und Interessengruppen der zahlreichen Friedensdemonstrationen zusammen: "Rosenkränze und Hammerschläge gegen den Krieg". Wie sehr die italienische Bevölkerung auf das Wort des Papstes hört, hat sich auch wieder an diesem Sonntag gezeigt. Zur Messe auf dem Petersplatz erschienen die Menschen in Massen - trotz der weitverbreiteten Angst, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Und manch einer hat bereits via E-mail den Traum und Wunsch geäußert, dass der Papst nach Irak reisen könnte, um den Krieg zu beenden.


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