VG-Wort Pixel

Vor Abschuss Pentagon: Türkische Piloten warnten Russen-Jet zehnmal


Nach US-Angaben haben türkische Piloten das russische Kampfflugzeug vor dessen Abschuss vielfach gewarnt. Die Nato stellt sich hinter die Türkei, Sigmar Gabriel bezeichnet sie als "unkalkulierbaren Spieler".

Türkische Piloten haben das russische Kampfflugzeug vor dessen Abschuss im türkisch-syrischen Grenzgebiet nach US-Angaben zehnmal gewarnt. Die Russen hätten darauf aber nicht reagiert, erklärte Pentagonsprecher Steve Warren auf Basis mitgehörter Funksprüche. Amerikanische Piloten hätten "alles gehört", was vor dem Abschuss zwischen den Jets kommuniziert worden sei.

Vizekanzler Sigmar Gabriel hat das Vorgehen Ankaras in der Syrien-Krise scharf kritisiert. "Erstmal zeigt der Zwischenfall, dass wir einen Spieler dabei haben, der nach Aussage von verschiedenen Teilen der Region unkalkulierbar ist: Das ist die Türkei und damit nicht die Russen", sagte der SPD-Chef in Berlin. "Dass die Russen jetzt die Konfrontation auslösen durch die Verletzung des Luftraums, darf einen ja nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Türkei dort in diesem Konflikt eine schwierige Rolle spielt."

Nato: "Wir sind solidarisch mit der Türkei"

Der Abschuss des russischen Kampfjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat neue heftige Spannungen zwischen Ankara und Moskau ausgelöst. Russlands Präsident Wladimir Putin kritisierte die türkische Regierung als "Helfershelfer von Terroristen". Die Nato hat sich dagegen hinter ihren Verbündeten Türkei gestellt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte am Dienstagabend nach einem von Ankara beantragten Sondertreffen der Militärallianz in Brüssel: "Wir sind solidarisch mit der Türkei und unterstützen die territoriale Unversehrtheit unseres türkischen Nato-Verbündeten." Damit machte sich die Nato Ankaras Darstellung zu eigen, wonach der russische Bomber vom Typ Su-24 in den türkischen Luftraum eindrang und daraufhin nach wiederholten Warnungen von der türkischen Luftwaffe abgeschossen wurde.

Stoltenberg rief zugleich dazu auf, "Ruhe" zu bewahren und zur "Deeskalation" beizutragen. Es sei wichtig, dass die Lage nicht "außer Kontrolle" gerate, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden. Deshalb hoffe er auf weitere Kontakte zwischen Ankara und Moskau, fügte der Nato-Generalsekretär hinzu. Moskau bestreitet, dass der Kampfjet den türkischen Luftraum verletzte. Das Flugzeug habe die Türkei "in keiner Weise" bedroht, sagte der russische Staatschef Wladimir Putin.

Gabriel sagte, er hoffe, dass kein Schaden für die angestrebte internationale Koalition unter Einbeziehung Russlands gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) entstehe. "Aber denkbar ist das natürlich", fügte er hinzu. Putin habe "eher ein hohes Interesse", in Syrien eine konstruktive Rolle zu spielen. "Ob das gefährdet ist, kann ich nicht sagen", meinte der Bundeswirtschaftsminister.

tim DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker