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Sturm auf US-Kapitol Angreifer litt laut Anwalt unter "Foxitis", weil er zu viel Fox News geguckt hatte

Eine Menschenmenge mit US- und Trump-Flaggen drängt bewaffnet gegen ein weißes Gebäude vor
Trumps Befehlen gefolgt: Der Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021
© Essdras M. Suarez/Zuma Press / DPA
Weil er am Sturm auf das Kapitol in Washington beteiligt war, muss sich Anthony Antonio vor Gericht verantworten. Glaubt man seinem Anwalt, war der Angeklagte in diesem Fall allerdings selbst ein Opfer – und zwar des TV-Senders Fox News.

Es ist eine ungewöhnliche Verteidigungsstrategie, die Joseph A. Hurley fährt: Der Anwalt des 27 Jahre alten Anthony Antonio, welcher sich am 6. Januar an der Erstürmung des Kapitols in Washington beteiligt hatte, hat eine Mitverantwortung für die Tat seines Mandanten auf den US-Sender Fox News geschoben, wie die "Huffington Post" berichtet.

Nachdem Antonio wegen der Coronavirus-Pandemie im vergangenen Jahr seinen Arbeitsplatz verloren habe, habe er seine ganze Zeit in einem Haus mit vier anderen Personen verbracht, die jede Menge Fox News im Fernsehen geschaut hätten, sagte Hurley in einer virtuellen Anhörung vor einem Richter. "In den nächsten ungefähr sechs Monaten lief pausenlos Fox im Fernsehen", schilderte der Anwalt Antonios Situation. "Er wurde süchtig und bekam, was ich 'Foxitis' oder 'Fox-Manie' nenne."

Fox News' permanente Wiedergabe der Lüge von einem massenhaften Wahlbetrug, die der damals bereits abgewählte, aber noch im Amt befindliche US-Präsident Donald Trump verbreitete, habe zu Antonios Entscheidung beigetragen, sich an dem Aufstand zu beteiligen, argumentierte Hurley. Antonio "begann zu glauben, was ihm vorgesetzt wurde."

Trumps Marschbefehl auf Washington

Hurley, den die Zeitung "The News Journal" als Anwalt beschreibt, der "für seine Prahlerei und Theatralik im Gerichtssaal bekannt" sei, erklärte dem Bericht zufolge, Antonio habe geglaubt, er folge Trumps Befehlen auf Washington zu marschieren und sei Teil einer patriotischen Bewegung, die den Vereinigten Staaten diene.

Zudem habe der Anwalt dem Richter deutlich gemacht, dass er keine große Eile habe, mit dem Fall voranzukommen. Er wolle, dass sich die für die Erstürmung des Kapitols zuständigen Staatsanwälte zunächst um die "bösen" Angeklagten kümmerten, bevor der Fall seines Mandanten geklärt werde.

Sturm auf das US-Kapitol – ein Greenscreen-Fake?

Antonio hatte sich nach Angaben der "Huffington Post" vergangenen Monat der Polizei gestellt. Er sei wegen fünf Bundesverbrechen im Zusammenhang mit dem Aufruhr am 6. Januar angeklagt, darunter gewaltsames Eindringen, Behinderung der Strafverfolgung, Störung des Kongresses und Beschädigung von Regierungseigentum. Er soll auf das Gerüst vor dem Kapitol geklettert und durch ein zerbrochenes Fenster in das Gebäude eingedrungen sein, sich ein Schutzschild und eine Gasmaske besorgt und die Polizei bedroht haben.

Antonio räumt Fehlentscheidung ein

Mehrere Videos zeigen Antonio inmitten des Mobs an einem der Eingänge des Kapitols, an dem laut der Bundespolizei FBI "eine enorme Menge an gewalttätigen kriminellen Aktivitäten" stattfanden. In einem von der Körperkamera eines Polizisten aufgenommenen Video schreit der 27-Jährige die Beamten an: "Sie wollen Krieg? Wir haben Krieg. 1776 (das Jahr der Unabhängigkeitserklärung, d. Red.) noch einmal ganz von vorn." Der Angeklagte trug bei der Erstürmung eine kugelsichere schwarze Weste mit einem Aufnäher der rechtsextremen Gruppierung "Three Percenter" und ein Tarnhemd.

Gegenüber dem FBI hatte Antonio der "Washington Post" zufolge im Februar erklärt, dass er während des Aufruhrs sechs Männer beobachtet habe, die einen Polizisten die Stufen des Kapitols herabgezogen hätten – offenbar ein Verweis auf den Beamten Michael Fanone, der dabei einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er habe gesehen, wie der Beamte um Hilfe gebettelt habe und konnte "den Tod in den Augen des Mannes sehen", so Antonio. Ich "habe eine Fehlentscheidung getroffen. Ich habe ihm nicht geholfen, als ich es tun sollte."

mad

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