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Kim Jong Il: Im gepanzerten Zug nach China

Es wäre bereits der zweite Besuch in diesem Jahr: Nach südkoreanischen Angaben ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il am Donnerstagmorgen in die Volksrepublik China gereist.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il ist südkoreanischen Angaben zufolge offenbar zu einem Besuch nach China gereist. Beobachtungen zufolge habe sich Kim am Donnerstagmorgen auf den Weg nach China gemacht, sagte ein südkoreanischer Regierungsvertreter, der seinen Namen nicht nennen wollte, der Nachrichtagentur AFP. Nordkorea und China bestätigen die Besuche Kims in der Regel erst, wenn dieser zurück in seiner Heimat ist.

Es gebe Hinweise darauf, dass Kim am Donnerstagmorgen in die benachbarte Volksrepublik gereist sei, sagte auch ein namentlich nicht genannter südkoreanischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Yonhap. Der Grund und das genaue Ziel des Besuches seien noch unklar. China ist der engste Verbündete des kommunistischen Nordkorea, ein wichtiger Geldgeber sowie Hauptlieferant für Treibstoff und Lebensmittel für das abgeschottete Nachbarland.

Yonhap zufolge ist der 68-Jährige mit seinem gepanzerten Zug unterwegs. Der Zug nahm dabei aber nicht die direkte Route nach Peking, wie Yonhap unter Berufung auf Diplomatenkreise in der chinesischen Hauptstadt berichtete. Möglicherweise umfuhr Kim demnach die grenznahe Stadt Sinuiju, die kürzlich nach heftigen Regenfällen überflutet worden war.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums wollte den Besuch des nordkoreanischen Machthabers auf Anfrage nicht bestätigen. Beide Länder äußern sich nach den Besuchen Kims in China in der Regel erst, wenn der nordkoreanische Machthaber wieder in sein Land zurückgekehrt ist.

Im Mai war Kim für fünf Tage nach China gereist und hatte sich bei seiner ersten Auslandsreise seit mehr als vier Jahren mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao getroffen. Bei den Gesprächen war es um das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas gegangen.

China bemüht sich auch im Moment wieder, Nordkorea zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Die im August 2003 aufgenommenen Gespräche über das Atomprogramm Pjöngjangs, an denen neben Nordkorea und China auch Südkorea, Japan, Russland und die USA teilnehmen, liegen seit April 2009 auf Eis. Damals war Nordkorea nach einem zweiten Atombombentest aus den Verhandlungen ausgestiegen.

Möglicherweise könnte Kim der Agentur Yonhap zufolge in Begleitung seines jüngsten Sohnes Kim Jong Un nach China gereist sein, der als möglicher Nachfolger an der Staatsspitze gilt. Kim soll Medienberichten zufolge 2008 einen Schlaganfall erlitten haben, erholte sich seitdem aber offenbar wieder genug, um sein Amt weiter auszuüben.

Für den kommenden Monat hat die regierende Kommunistische Partei in Nordkorea jedoch einen Parteitag einberufen, auf dem Kim Jong Un offiziell als dessen Nachfolger seines Vaters in Stellung gebracht werden könnte. Nach südkoreanischen Angaben kommt seinem 27-jährigen Sohn eine immer größere Rolle in der Politik des Nordens zu. Kim Jong Un begleitet seinen Vater demnach oft bei Reisen durch das Land.

AFP / AFP