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König Abdullah von Saudi-Arabien: Alter, neuer König

Nach dem Tod des saudi-arabischen Königs Fahd, ist sein Halbbruder Abdullah zum neuen König ernannt worden. Dabei führt er seit zehn Jahren die Amtsgeschäfte, politische Veränderung wird daher kaum erwartet.

Nach dem Tod des saudi-arabischen Königs Fahd und der Ernennung seines Halbbruders Abdullah zum neuen Staatsoberhaupt erwarten Diplomaten kaum Veränderungen in der Politik des weltgrößten Erdöl-Exporteurs. Schließlich führt der bisherige Kronprinz schon seit zehn Jahren die Amtsgeschäfte in dem islamischen Land - und etablierte sich in dieser Zeit als vorsichtiger Reformer der absoluten Monarchie: In geringem Umfang trieb der 1924 geborene Abdullah bin Abdul Asis die politische und wirtschaftliche Liberalisierung voran.

So setzte er sich unter anderem für die Einführung von Teilwahlen von Gemeinderäten und eine allmähliche Vergrößerung des Nationalen Konsultativrates ein, dessen 120 Mitglieder alle vier Jahre vom König ernannt werden. Zudem bemühte er sich, die hauptsächlich vom Öl abhängige Wirtschaft für ausländische Investitionen, etwa im Gas-Sektor, zu öffnen.

Einsatz gegen Extremisten

Außenpolitisch widmete sich Abdullah trotz seines Rufes, stärker als sein Halbbruder Fahd ein arabischer Nationalist zu sein, in den vergangenen Jahren verstärkt dem Kampf gegen Extremisten und der Verbesserung der Beziehungen zu den USA, die seit den - überwiegend von Saudi-Arabern ausgeführten - Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA stark belastet waren.

Das Erstarken des Moslem-Extremismus im eigenen Land, das in den al-Kaida-Bombenanschlägen in der Hauptstadt Riad im Jahr 2003 seinen vorläufigen Höhepunkt fand, führte zu einem bis dahin beispiellosen Vorgehen gegen militante Gruppen. Dass dieser Kampf mitunter Jahrzehnte dauern könnte, schloss Abdullah nicht aus. "Der Terrorismus wird nicht über Nacht bekämpft werden können, unser Kampf gegen den Terrorismus wird lang und hart sein", sagte der 80-Jährige erst im Februar dieses Jahres.

Ein Verräter des Islams

Für al-Kaida-Chef Osama bin Laden, dessen Ziel es ist, die Königsfamilie zu stürzen, ist Abdullah ein Verräter des Islams, weil er Israel normale Beziehungen in Aussicht gestellt hat, falls sich das Land aus allen besetzten arabischen Gebieten zurückzieht. Abdullah ist einer von etwa 30 überlebenden Söhnen von König Abdul-Asis, der Saudi-Arabien 1932 gründete.

Dominic Evans/Reuters / Reuters
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