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Kolumbien: Rebellen lassen Geiseln frei

Kolumbianische Guerilleros haben eine deutsche und eine spanische Geisel freigelassen. Vor über zehn Wochen wurden sie mit fünf weiteren Touristen entführt.

Mehr als zehn Wochen hatte die junge Deutsche Reinhild Weigel auf diesen Augenblick gewartet. Endlich frei und befreit von Strapazen, Hunger und Angst in der Gewalt linker ELN-Rebellen in Kolumbien. Die Kidnapper übergaben die Deutsche am Montag zusammen mit einer spanischen Geisel dem Menschenrechtsbeauftragten der kolumbianischen Regierung und Vertretern der katholischen Kirche. Fünf weitere Geiseln, vier Israelis und ein Engländer, blieben weiter in Gefangenschaft.

Weigel und der Spanier Asier Huegen Echeverria wirkten bei ihrer Landung wohlauf. Weigel sah sehr mager aus, strahlte aber über das ganze Gesicht, als sie dem Hubschrauber entstieg. Möglich wurde die Freilassung mit dem Besuch einer internationalen Beobachtergruppe in mehreren Bergdörfern der Region. Die Guerilleros der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) hatten verlangt, dass sich Menschenrechtler ein Bild vom Elend der indianischen Bevölkerung in diesen Dörfern machen sollten. Die Rebellen hätten zugesichert, die übrigen fünf Geiseln bis Weihnachten freizulassen.

Guerilleros haben Ziel erreicht

Die Touristen waren am 12. September beim Besuch einer präkolumbianischen Ausgrabungsstätte in der Sierra Nevada entführt worden. Im Morgengrauen holten schwer bewaffnete Rebellen die Gruppe damals aus den Schlafsäcken. Eine britische Geisel konnte nach kurzer Zeit fliehen. Die Guerilleros erreichten unterdessen, was sie wollten. Eine unabhängige Kommission untersucht inzwischen die vom ELN angeprangerten Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei, das Militär und ultrarechte Todesschwadronen.

Die Touristen hatten die Reisewarnungen für Kolumbien nicht beachtet. Das Land gilt als das unruhigste Lateinamerikas mit den weltweit meisten Entführungen. Die ELN entführt jährlich hunderte Menschen, um Lösegeld zu erpressen. Im Fall der beiden jetzt Freigelassenen wurden jedoch keine finanziellen Forderungen gestellt.

In einem anderen Entführungsfall wurde am Montag ein japanischer Geschäftsmann nach drei Jahren Geiselhaft tot aufgefunden. Die von Kugeln durchsiebte Leiche von Chikao Muramatsu sei am Montag bei San Juan de Rioseco, 60 Kilometer westlich von Bogota, gefunden worden, teilte Generalstabschef Alberto Ospina mit. Der Manager des Autoteileherstellers Yazaki Ciemel wurde am 22. Februar 2001 auf einer Hauptstraße in Bogota von Kriminellen entführt. Die Täter übergaben ihre Geisel später der Guerillabewegung FARC. Diese soll nach Presseberichten ein Lösegeld von 10 bis 25 Millionen Dollar für die Freilassung Muramatsus verlangt haben.

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