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Libyen-Besuch: Schröder lädt Gaddafi nach Deutschland ein

Bei ihrem ersten Treffen hat Bundeskanzler Schröder den libyschen Staatschef Gaddafi nach Deutschland eingeladen. Weiteres Thema des Staatsbesuchs: die Minen, die die deutsche Wehrmacht bei ihrem Rückzug aus Afrika im Zweiten Weltkrieg hinterlassen hat.

Zum Auftakt seines Libyen-Besuchs hat Bundeskanzler Gerhard Schröder den politischen Kurswechsel von Staatschef Muammar el Gaddafi gewürdigt. "Die Änderung seiner Politik ist wirklich beachtenswert", sagte er am Donnerstagabend nach seiner Ankunft in Tripolis. Anschließend wurde Schröder von Gaddafi in einem Beduinenzelt auf dem Gelände der Residenz Bab Al Azizia empfangen. Bei dem dreistündigen Treffen mit Staatsbankett lud der Kanzler Gaddafi nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen zum Gegenbesuch in Deutschland ein.

Neubeginn

Schröder ist der erste deutsche Bundeskanzler, der Libyen besucht. Die Reise markiere "den Neubeginn in den bilateralen Beziehungen", hieß es vor der Reise in Regierungskreisen. Voraussetzung für den Besuch war die im August erzielte Einigung auf eine Entschädigung für die Opfer des Bombenanschlags auf die Berliner Discothek "La Belle", bei dem 1986 drei Menschen getötet und 230 verletzt wurden.

Streitpunkt Minen im Wüstensand

Gaddafi wies darauf hin, dass durch die Minen, die beim Rückzug des Afrika-Corps unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel in der Wüste gelegt wurden, bis heute viele Menschen zu Schaden kommen. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wies der Kanzler diese Forderungen zurück. Man dürfe angesichts der angestrebten Normalisierung zwischen beiden Länder jetzt nicht in die Vergangenheit schauen, sagte Schröder.

Gaddafi kritisiert USA

Der libysche Führer lobte ausdrücklich die Rolle Deutschlands und Frankreichs im Irakkonflikt. Wie verlautete, griff er die USA wegen ihres Irak-Kurses und ihrer Rolle im Nahostkonflikt zwischen Palästinensern und Israel scharf an. Der Kanzler wies die pauschalen Vorwürfe gegen Washington zurück und wandte sich auch gegen Versuche, Europa und die arabischen Länder sollten gemeinsam eine Gegenkraft gegen die USA bilden.

Schröder wies zum Auftakt seines Besuchs auch auf die „großen Möglichkeiten“ für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Libyen hin. Er wird in Tripolis von einer 25-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Libyen ist Deutschlands viertwichtigster Erdöllieferant. Umgekehrt ist Deutschland nach Italien der zweitwichtigste Handelspartner Libyens.

Schröder startet Ölbohrung in der Wüste

Am Freitag will Schröder zunächst in der libyschen Wüste eine Ölbohrung des BASF-Tochterunternehmens Wintershall starten. Das Unternehmen hat bereits mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar in Libyen investiert, bis Ende 2006 sollen weitere 400 Millionen US-Dollar folgen.

Später geht's nach Algerien

Anschließend ist ein weiteres Treffen mit Gaddafi und die Teilnahme an einem Wirtschaftsforum geplant. Am Freitagabend reist Schröder nach Algerien weiter, wo er Präsident Abdelaziz Bouteflika treffen und an einem Wirtschaftsforum teilnehmen will. Anschließend kehrt er nach Berlin zurück.

AP/Reuters / AP / Reuters