HOME

Libyen: Historisches Treffen zwischen Blair und Gaddafi

Aus dem einstigen Terrorfeind soll ein Partner werden: Der britische Premierminister Blair ist mit Libyens Staatschef Gaddafi zusammengetroffen, der die Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus unterstützen will.

Libyen will im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mit dem Westen zusammenarbeiten. Dies erklärte der britische Premierminister Tony Blair am Donnerstag nach einem als historisch bezeichneten Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi in Tripolis. Während der einstündigen Begegnung in einem Zelt am Stadtrand habe Gaddafi klargestellt, dass sein Verzicht auf die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen "unwiderruflich" sei. Gaddafi wolle eine Ära neuer Beziehungen zum Westen aufbauen, sagte Blair.

Gaddafi (61), dem in der Vergangenheit wiederholt Unterstützung terroristischer Organisationen vorgeworfen worden war, sei jetzt davon überzeugt, dass eine gute Zukunft für sein Land nur durch Zusammenarbeit mit dem Westen garantiert werden könne, sagte Blair. Er habe die Notwendigkeit des "gemeinsamen Kampfes gegen El Kaida und gegen den Extremismus und Terrorismus anerkannt, der nicht nur die westliche, sondern auch die arabische Welt bedroht", so der britische Premierminister. Zwar werde es noch eine Zeit dauern, bis das notwendige Vertrauen aufgebaut worden sei, "aber wir haben heute einen guten Anfang gemacht".

Enge Abstimmung mit Washington

Der Besuch Blairs fand in enger Abstimmung mit Washington statt. Der Nahost-Gesandte des US-Außenministeriums, Wiliam Burns, war Anfang der Woche als erster ranghoher Regierungsvertreter nach Libyen gereist. Auf bilateraler Ebene kündigte Blair eine verstärkte militärische Zusammenarbeit mit Libyen an. Außerdem wollten der britische Außenminister Jack Straw und sein libyscher Amtskollege Abdurrahman Shalgham einen "neuen Dialog" über außen-und sicherheitspolitische Fragen aufnehmen.

Bei dem Treffens besiegelten Blair und Gaddafi das Ende der fast zwei Jahrzehnte währenden diplomatischen Isolation Libyens mit einem "symbolischen Handschlag". Zu seinem nicht unumstrittenen Besuch in Tripolis sagte Blair, die Welt habe sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verändert. Wenn Libyen zur Aufgabe von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen bereit sei, müsse darauf eine "angemessene Antwort" gegeben werden. Blair sprach von einem "Signal für die gesamte arabische Welt".

Shell wird in Libyen aktiv

Die Begegnung zwischen Blair und Gaddafi brachte schon am Donnerstag direkte politische und wirtschaftliche Resultate: Der Ölkonzern Shell gab die Unterzeichnung einer langfristigen Vereinbarung über die Öl-und Gasförderung in Libyen bekannt. Der "potenzielle Wert" der Vereinbarung mit der staatlichen libyschen Ölgesellschaft wurde in London auf 550 Millionen Pfund (820 Mio Euro) beziffert. In die Gasförderung an der Küste Libyens sollten zunächst 110 Millionen Pfund investiert werden. Auch der Rüstungskonzern BEA Systems werde in Kürze mit Libyen einen Vertrag über die Lieferung von Kampfflugzeugen schließen, hieß es.

Blair sagte Libyen die Ausbildung von Militärkräften an der britischen Elite-Universität Sandhurst zu. Auch solle die Zusammenarbeit im Bildungsbereich verstärkt werden. Blair ist seit der Unabhängigkeit Libyens 1951 der erste britische Premierminister, der Libyen besucht.