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Malediven: Paradiesische Diktatur

Auf den Malediven, für Touristen ein Urlaubsparadies, regt sich Widerstand gegen Präsident Gayoom. Der regiert die Inselkette seit gut 25 Jahren mit eiserner Hand. Die Opposition, wenn nicht inhaftiert, fordert Demokratie.

Schneeweiße Sandstrände und kristallklares Wasser, traumhafte Inseln und exklusive Hotels - die Malediven sind ein Touristenparadies. Hier genießen wohlhabende Reisende "die sonnige Seite des Lebens", verspricht die Tourismusbehörde. Über die dunkle Seite der Malediven erfahren die abgeschotteten Urlauber nichts. Menschenrechtler und Oppositionelle verurteilen das Land als Polizei- und Folterstaat. Seit gut 25 Jahren regiert Präsident Maumoon Abdul Gayoom die Malediven mit eiserner Hand. Doch zunehmend regt sich Widerstand. Im Inselparadies gärt es.

1900 Inseln und 300 000 Einwohner

Seit mehr als einem Monat gilt der Ausnahmezustand auf den Malediven mit ihren 1900 Inseln und rund 300 000 Einwohnern. Gayoom verhängte ihn, nachdem es am 13. August in der Hauptstadt Male mit rund 80 000 Einwohnern zur größten Demonstrationen in der Geschichte des Landes mit mehr als 5000 Menschen gekommen war. Der Opposition zufolge forderten die Demonstranten friedlich mehr Demokratie. Gayoom sprach von einem gewalttätigen Mob. Nach offiziellen Zahlen sind von 185 Festgenommenen noch immer 78 in Gewahrsam.

Unbestreitbar haben die Malediven unter der Präsidentschaft Gayooms, des am längsten regierenden Staats- und Regierungschefs Asiens, Fortschritte gemacht. Die Weltbank lobte das "lebhafte Wirtschaftswachstum", die armen Fischerinseln wurden zu einem für Südasien wohlhabenden Land. Die Lebenserwartung ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation seit 1980 von 50 auf 71 Jahre gestiegen, die Kindersterblichkeit sank drastisch.

Aufschwung und Devisen bringen vor allem die Touristen, für die 80 vom Rest des streng muslimischen Landes isolierte Inseln reserviert sind. Die Zahl der Urlauber stieg von 195 000 im Jahr 1990 auf mehr als eine halbe Million 2003, knapp jeder siebte davon ein Deutscher. Doch verbesserte Lebensbedingungen reicht den Maledivern nicht mehr.

Hohe Militärausgaben trotz fehlender Gefahr

Schon vor einem Jahr kam es zu bis dahin beispiellosen Unruhen. Die Regierung hielt mit Gewalt dagegen. Bei Militärausgaben liegen die Malediven gemessen am Bruttosozialprodukt weltweit auf Platz zehn - obwohl sie weder eine reguläre Armee noch Feinde haben. Die Paramilitärs werden im Inland eingesetzt. Inzwischen blickt die Internationale Gemeinschaft, die sich lange kaum um das kleine Land kümmerte, zunehmend besorgt auf Gayooms Herrschaftsstil.

Der Präsident, nach seiner 1998 erschienenen offiziellen Biografie ein "enger Freund" Saddam Husseins, versucht die Flucht nach vorn. Am 9. Juni kündigte er Reformen an, die mit Verhängung des Ausnahmezustands prompt wieder auf Eis gelegt wurden. Unter anderem soll ein Mehrparteiensystem ebenso wie ein Verfassungsgericht eingeführt werden. Das Parlament soll mehr Macht bekommen, der Präsident nur noch maximal zehn Jahre im Amt bleiben dürfen.

Kritik wie die von Amnesty International tut Gayoom ab. Die Menschenrechtler hätten nie die Situation vor Ort untersucht, sagte er vor kurzem in einem Interview. "Sie können kommen, unsere Gefängnisse besuchen, mit Gefangenen sprechen und sehen, wie sie behandelt werden." Für EU-Botschafter gilt diese Einladung anscheinend nicht. Einer Botschafter-Delegation wurde bei einem Besuch vor gut einer Woche der Zutritt zu elf Gefangenen verwehrt.

Oppositionsvertreter in Haft

Gayooms Versprechen seien allesamt Lippenbekenntnisse, meint der Sprecher der Maledivischen Demokratischen Partei (MDP), Mohamed Latheef, im Exil in Sri Lanka. "Es wird nicht zu substanziellen Reformen kommen", sagt er. "Dann müsste Gayoom ja seine Macht abgeben." Demokratie könne es nur geben, wenn Gayoom abdanke. Statt Änderungen voranzutreiben, habe der Präsident Oppositionsvertreter eingesperrt. Auch die beiden Töchter Latheefs wurden bei der Demonstration im 13. August festgenommen. Gehört habe er von ihnen seitdem nicht mehr, sagt er. "Ich weiß noch nicht einmal, ob sie noch leben."

Can Merey/DPA / DPA