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Maul- und Klauenseuche in GB: Erreger stammt offenbar aus dem Labor

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde der Erreger der Maul- und Klauenseuche in einem Labor in der Nähe der infizierten Farm gezüchtet. Wie er auf den Viehzuchtbetrieb übergespringen konnte, ist noch unklar.

Der Erreger der in England ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche stammt offensichtlich aus einem tiermedizinischen Labor. Nach Angaben des britischen Agrarministeriums vom Samstagabend ist der bei rund 60 Kühen entdeckte Virusstamm identisch mit einem ursprünglich für Impfungen gezüchteten Stamm in einem knapp sechs Kilometer entfernten Labor.

Chef-Veterinärin Debby Reynolds bestätigte im BBC-Fernsehen, dass der Erreger in einer privaten Firma auf dem Gelände des staatlichen Forschungslabors zu Impfzwecken gezüchtet wurde. In der Natur komme dieser Stamm normalerweise nicht vor. Die Firma habe die Herstellung des Erregers sofort eingestellt. Weitere Untersuchungen seien im Gange. Für Menschen ist der Erreger ungefährlich.

Umfassendes Exportverbot für Tiere und Fleisch

Wie das Virus auf die benachbarte Farm überspringen konnte, war nach Angaben von Experten zunächst unklar. Die Entdeckung bedeute aber, dass die Maul- und Klauenseuche (MKS) wahrscheinlich rasch eingedämmt werden könne. Nach Angaben von Reynolds ordneten die Behörden nach der Notschlachtung der Rinder des direkt betroffenen Viehzuchtbetriebes auch die Tötung einiger weniger Tiere in Nachbarbetrieben an. Diese sei eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es.

Reynolds hatte zuvor mitgeteilt, die Sicherheit im Institut für Tiergesundheit in Pirbright unweit der betroffenen Farm werde überprüft. Dort wurden seit vielen Jahren Forschungen zur Maul- und Klauenseuche unternommen. Die Einrichtung hat den Status eines europäischen Referenzlabors und steht im Kontakt mit Forschungsstätte anderer Länder. Der bei dem Ausbruch entdeckte Stamm gehöre zur Gruppe der MKS-Viren vom Typ 01 BFS67, teilten die Behörden mit.

Die britische Regierung verhängte nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Südengland am Samstag ein umfassendes Exportverbot für Tiere und Fleisch. Sie kam damit einem für Montag erwarteten EU- Exportverbot zuvor. Premierminister Gordon Brown versprach, es werde "alles unternommen, was in unseren Kräften steht", um eine erneute Epidemie zu unterbinden. Die britischen Behörden befürchten weitere Fälle der hoch ansteckenden Tierkrankheit.

2001 wurden mehr sechs Millionen Tiere gekeult

Bei einem verheerenden Ausbruch der Seuche im Jahr 2001 waren in Großbritannien mehr als sechs Millionen Tiere getötet worden. In Deutschland liefen unterdessen erste Schutzmaßnahmen an. Einige Bauernhöfe wurden vorsorglich gesperrt.

Nach Angaben eines Sprechers des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Samstag wurden fünf Tiertransporte aus Großbritannien in den vergangenen 30 Tagen ermittelt. Es handele sich um vier Schaf- Transporte mit mehreren Tieren und um ein Rind aus Schottland. Die Tiere würden nun untersucht. Da sie aus Gegenden stammten, die weit entfernt von dem von der Seuche betroffenen Hof in Südengland seien, bestehe die Hoffnung, dass sie nicht befallen seien.

In mindestens zwei Bundesländern wurden einige Bauernhöfe für die nächsten Tage gesperrt. Das bedeutet, dass die Tiere nicht hinein- oder heraustransportiert werden dürfen. In Hessen waren 18 Schafe aus einem britischen Betrieb, der sich rund 150 Kilometer von der Ausbruchsstelle der Seuche befindet, an einen deutschen Bauernhof geliefert worden. Von dort wurden die Schafe an andere Betriebe weiterverkauft, unter anderem auch in Hessen und Rheinland-Pfalz. Das sagte ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums am Samstagabend der dpa.

Eine Sprecherin des britischen Agrarministeriums sagte: "Wir haben freiwillig eine Sperre für alle Exporte aus Großbritannien in alle Länder angeordnet. Dies schließt lebende sowie geschlachtete Tiere, Fleisch und Milch ein - und zwar mit sofortiger Wirkung." Das Exportverbot gelte für alle Paarhufer, darunter Rinder, Schafe und Schweine. Die EU-Kommission hatte zuvor bereits Ausfuhrbeschränkungen für britische Fleischprodukte angekündigt. Über den Umfang soll am Montag entschieden werden. Japan gab am Samstag ein Importverbot für britisches Fleisch bekannt.

DPA / DPA