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Militäruntersuchung in Israel: Streubombeneinsatz entgegen Befehl

Eine israelische Militäruntersuchung befasst sich mit dem umstrittenen Einsatz von Streubomben im Libanon. Laut ersten Ergebnissen haben Feldkommandeure die Munition entgegen Befehlen ihrer Vorgesetzten abgeschossen.

Der israelische Generalstabschef Dan Haluz hat eine umfassende Untersuchung des Einsatzes von Streumunition durch die Armee während des Libanon-Konflikts angekündigt. Wie das israelische Fernsehen ohne Nennung von Quellen berichtete, hatte eine erste Überprüfung ergeben, dass die umstrittene Streumunition entgegen einem Befehl Haluz von Artilleriegeschützen und mit Boden-Boden-Raketen auch auf bewohntes Gebiet im Libanon abgefeuert worden sei. Dem Bericht zufolge hatte Haluz den Einsatz dieser Munition, die bei der Explosion hunderte kleinerer Sprengkörper freisetzt, an strikte Auflagen geknüpft.

Eventuell strafrechtliche Ermittlungen

Wie es hieß, hatte Haluz zunächst den Chef der Bodentruppen, Brigadegeneral Michel Ben-Baruch, mit der Überprüfung des Einsatzes von Streumunition beauftragt. Anlass waren Medienberichte, nach denen die umstrittene Munition im Südlibanon in großem Umfang und auch gegen bewohntes Gebiet eingesetzt wurde. Ben-Baruchs Bericht, in dem dies weitgehend bestätigt worden sei, sei Haluz und dem Chef der Militärjustizbehörde, Avi Mandelblit, übergeben worden.

Eine neue Untersuchung solle nun klären, warum die Feldkommandeure den Befehl missachteten. Dies könne auch zu strafrechtlichen Ermittlungen führen, hieß es. Ein israelischer Militärsprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Israel hat in der Vergangenheit sein Recht auf den Einsatz von Streubomben im Rahmen des Völkerrechts verteidigt.

58.000 Blindgänger

Ein hoher Anteil der zu Hunderten in der Streumunition enthaltenen Mini-Sprengkörper explodiert nicht sofort. Häufig bleiben diese auf dem Boden oder darunter verborgen liegen. Wie Landminen können sie auch noch nach Jahren bei der leisesten Berührung etwa durch spielende Kinder hochgehen.

Wie die Zeitung "Haaretz" berichtete, kamen seit Ende des Krieges im Südlibanon Mitte August mindestens 22 Zivilisten durch Streumunition ums Leben, darunter viele Kinder. 134 weitere Zivilisten seien verletzt worden.

Bislang seien rund 58.000 Blindgänger an 800 Orten im Südlibanon entdeckt worden, die meisten nahe an oder in bewohntem Gebiet. Experten gehen von bis zu einer Million Blindgängern aus. Die Vereinten Nationen haben zu einem weltweiten Einsatzstopp von Streubomben in bewohnten Gebieten aufgerufen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters
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