Libanon Kana-Angriff war "ein Versehen"


Die israelische Armee spricht im Zusammenhang mit dem Luftangriff auf das libanesische Dorf Kana von "einem Versehen", das auf falschen Informationen beruhte. Eine Menschenrechtsorganisation geht inzwischen von deutlich weniger als den berichteten 54 Toten aus.

Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Donnerstag ihre Angriffe auf die von der radikal-islamischen Hisbollah kontrollierten Vororte der libanesischen Hauptstadt wieder aufgenommen. Wie die libanesische Polizei berichtete, wurden zwei Stadtteile im Süden Beiruts attackiert. Mindestens vier schwere Detonationen seien in der ganzen Stadt zu hören gewesen. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Es waren die ersten Angriffe auf die libanesische Hauptstadt seit der vorübergehenden Aussetzung der Luftangriffe am frühen Montagmorgen.

Zuvor waren am Mittwochabend bereits bei Luftangriffen östlich der Hafenstadt Tyrus sieben Zivilisten getötet worden. Darunter auch ein 80 Jahre altes Ehepaar, deren Haus im Ort Tair Harfa getroffen wurde, wie die libanesische Polizei mitteilte. Fünf weitere Menschen starben in dem Dorf Jarun.

Am Mittwoch hatten die israelische Armee auch ihre Bodenoffensive gegen die Hisbollah-Miliz im Südlibanon ausgeweitet. Am Abend hielten die schweren Kämpfe nach israelischen Medienberichten an. Nach Angaben der Armee wurden mindestens sieben Hisbollah-Kämpfer getötet. Ein israelischer Soldat kam den Angaben zufolge ebenfalls ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Die Hisbollah feuerte am Mittwoch weit mehr als 200 Raketen auf israelisches Territorium. Es war die bisher größte Zahl an einem Tag seit Kriegsbeginn am 12. Juli.

Kana-Angriff "ein Versehen"

Israel hat die Bombardierung des libanesischen Dorfes Kana in einer Untersuchung als Versehen bezeichnet. Die Armee hätte das Gebäude nicht angegriffen, wenn sie von den Zivilisten darin gewusst hätte, hieß es in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. Zugleich wurde die libanesische Hisbollah-Miliz von Generalstabschef Dan Haluz beschuldigt, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. "Die Hisbollah platziert libanesische Zivilisten als Schutzschild zwischen sich selbst und uns, während die Armee sich selbst als Schutzschild zwischen die Bürger Israels und den Terror der Hisbollah stellt. Das ist der größte Unterschied zwischen Ihnen und uns."

Haluz hatte schon zuvor erklärt, das Militär habe nichts von den Zivilisten gewusst. Auf die Frage, warum Israels Geheimdienste Raketenabschüsse in Kana und nicht dutzende Zivilisten orten könnten, hatte der Kommandeur geantwortet: "Wir können Raketenstarts entdecken, weil sie sehr beweglich sind." In der Untersuchung hieß es, es seien zwei Raketen auf das Gebäude gefeuert worden, weil darin Hisbollah-Extremisten vermutet worden seien. Eine der Raketen sei nicht explodiert.

Neue Zahlen aus Kana

Bei dem Luftangriff Israels auf Kana sind möglicherweise weniger Menschen getötet worden als bislang erklärt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte am Mittwoch die Zahl von 28 Toten, darunter 16 Kinder. 13 Menschen würden noch vermisst. Die libanesischen Behörden sprechen bislang von 54 Getöteten.

Zu der Zahl 54 sei man offenbar gekommen, indem man davon ausging, dass 63 Menschen in dem Haus Zuflucht gesucht hätten und es neun Überlebende gegeben habe, erklärte die Organisation. Nun sehe es aber danach aus, dass mindestens 22 Menschen dem Angriff entkommen seien und 28 Menschen definitiv gestorben seien. Dies ergebe sich aus Aufzeichnungen des libanesischen Roten Kreuzes und des Krankenhauses in Tyrus. Die Organisation gab dabei auch die Namen und das Alter der Getöteten bekannt. Bei den 13 Vermissten würden Anwohner vermuten, dass sie unter den Trümmern des Hauses begraben seien.

Treffen der islamischen Länder

Angesichts der andauernden Gewalt im Nahen Osten ist die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) am Donnerstag zu einem eintägigen Krisentreffen zusammengekommen. Am Ende der eintägigen Beratungen der islamischen Länder in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur will die Konferenz in einer Erklärung eine "bedingungslose Waffenruhe" fordern, wie es aus Teilnehmerkreisen hieß. Zudem solle die sofortige Entsendung einer UN-Friedenstruppe in die Krisenregion verlangt werden.

Der OIC gehören 57 Länder an. An dem Treffen in Kuala Lumpur nehmen Spitzenpolitiker aus 17 Staaten teil, darunter Iran und Syrien. Die Konferenz hatte zuvor schon die "israelische Aggression im Libanon" verurteilt. "Das Recht auf Selbstverteidigung ist kein Blankoscheck dafür, alles zu tun, was man will, und Menschen massenhaft zu töten", sagte der malaysische Außenminister Syed Hamid Albar. Malaysia hat derzeit den Vorsitz der OIC inne.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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