William Kristol "Wir senden ein Signal der Schwäche"


William Kristol ist einer der einflussreichsten neokonservativen Vordenker der USA. Im stern.de-Interview fordert der Chefredakteur des erzkonservativen "Weekly Standard" einen härteren US-Präsidenten, der mit Militär statt Diplomatie Außenpolitik betreibt.
Von Katja Gloger, Washington

Er wird gehört im Weißen Haus: William Kristol ist einer der einflussreichsten neokonservativen Vordenker der USA. Schon früh befürwortete der Chefredakteur des erzkonservativen Magazins "Weekly Standard" lautstark militärisches Vorgehen gegen den Irak. Der Harvard-Absolvent arbeitete schon für Bushs Vater im Weißen Haus. Später gehörte er zu den Verfassern der umstrittenen "Agenda der Freiheit" des US-Präsidenten. In den vergangenen Monaten ist ihm Bush allerdings zu diplomatisch geworden - wie vielen Konservativen. Er fordert ein Ende der angeblichen "Appeasement-Politik" - und US-Luftschläge gegen den Iran.

Herr Kristol, die israelischen Bomben auf das libanesische Dorf Kana, die in der vergangenen Woche Dutzende Zivilisten töteten, seien in Wahrheit die Bomben von Condoleezza Rice, heißt es in der arabischen Welt. Haben sich die USA in eine Falle manövriert?

Wir dürfen uns nicht abhängig von irgendwelchen öffentlichen Meinungen machen. Und schon gar nicht, wenn es sich dabei um undemokratische Staaten handelt, von denen es ja auch in der arabischen Welt genügend gibt. Nein, Israel kämpft gegen die Terror-Gruppe Hisbollah, die alle internationalen Vereinbarungen verletzt. In einem Krieg sterben Menschen. Es ist ein Krieg gegen den Islamismus. Es handelt sich um einen Angriff auf die demokratische Zivilisation. Und deren führender Vertreter sind im Moment die Vereinigten Staaten.

Und deswegen sollen die USA Israel so einseitig unterstützen?

In diesem Fall, ja. Es ist auch unser Krieg. Da hatte die Weltgemeinschaft alle möglichen guten Vorsätze. Die Hisbollah sollte entwaffnet werden. Doch sie unternahm nichts, um das auch wirklich durchzusetzen.

Erleben wir denn die "Geburtswehen eines neuen Nahen Ostens", wie es Präsident Bush und Außenministerin Rice nicht müde werden, zu wiederholen?

Wir werden sehen. Der Sieg über die Terroristen ist einer der Tests für diesen neuen Nahen Osten. Und diesen Test müssen wir bestehen.

Vielen überzeugten Konservativen, auch Ihnen, setzt der US-Präsident aber mittlerweile zuviel auf Diplomatie, auf Zusammenarbeit und Dialog. Dies sei gefährlich. Warum?

Die diplomatischen Anstrengungen, die Bush in seiner zweiten Amtszeit unternimmt, werden von Ländern wie Nordkorea und vor allem vom Iran doch als Zeichen der Schwäche wahrgenommen. Wir senden ein Signal der Schwäche. Und das lädt zu Aggression und gefährlichen Handlungen ja regelrecht ein. Das konnten wir beim Raketentest Nordkoreas erleben. Doch viel mehr noch im Iran. Dort glaubt Präsident Ahmadinedschad offenbar, er könne sich alles erlauben.

Ist Ihnen Präsident Bush zu schwach?

Wir haben uns zu sehr zurückgezogen. Wir sind zu unentschlossen. Vor allem der Iran wird in den kommenden sechs bis zwölf Monaten zu einer großen Krise und zu einem entscheidenden Testfall der US-Außenpolitik werden. Der Iran führt ja bereits einen Stellvertreterkrieg im Libanon.

Sie fordern Präsident Bush auf, Luftangriffe gegen iranische Nuklearanlagen zu erwägen. Warum warten?, fragen Sie.

Glauben wir denn wirklich, wir könnten dieses Regime mit Diplomatie stoppen? Glauben wir, dieses Regime würde ernsthaft verhandeln? Wir brauchen eine ernsthafte, glaubhafte militärische Option. Und diese Option wird in der Regierung des Präsidenten diskutiert.

Wohin das führen kann, sieht man am Beispiel Irak.

Die Lage im Irak ist schwieriger, als man dachte. Doch sollen wir etwa warten, bis der Iran Atomwaffen besitzt und an Terroristen weitergibt? Wir dürfen nicht zulassen, dass radikale Ideologien und Gruppen Erfolg haben. Das haben wir in Bezug auf den Iran in den vergangenen Jahren leider zugelassen. Doch die Amtszeit des Präsidenten ist noch lange nicht zu Ende. Und ich bin sicher, er bringt die Außenpolitik zurück auf Kurs. Amerika darf keine weitere Appeasement-Politik mehr betreiben.


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