Krieg im Libanon Israel wirft Befehlshaber raus


Zu zögerlich und vorsichtig: Israel hat den Kommandeur der Offensive gegen die Hisbollah ausgewechselt. Bei neuerlichen Luftangriffen im Libanon sind mindestens fünf Menschen getötet worden

Die israelische Militärführung hat aus Unzufriedenheit über den bisherigen Kriegsverlauf im Libanon die Kommandostruktur geändert. Generalstabschef Dan Haluz habe seinen Stellvertreter Mosche Kaplinski zum Koordinator für die Einsätze gegen die Hisbollah ernannt, berichteten israelische Medien am Mittwoch weiter. Kaplinski sei damit ranghöher als der Befehlshaber Udi Adam, dem zu große Vorsicht und Zögerlichkeit vorgehalten würden. Generalstabschef Haluz wolle auch sicherstellen, dass seine Befehle genau ausgeführt werden.

Israel will Offensive ausweiten

Das israelische Sicherheitskabinett hat zudem Beratungen über eine Ausweitung der Bodenoffensive im Süden Libanons begonnen. Israelische Medien berichteten, ein Plan sehe vor, insgesamt etwa 30 000 Soldaten in das umkämpfte Gebiet zu verlegen, die dort Raketenstellungen und Waffenlager der Hisbollah zerstören sollen. Die Hisbollah-Miliz solle möglichst weit Richtung Norden abgedrängt werden. Bei einem solchen Militäreinsatz könnten aber 300 bis 500 israelische Soldaten getötet werden.

Bei einem israelischen Luftangriff im östlichen Libanon sind am Mittwoch angeblich mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Ziel des Angriffs sei das Haus eines lokalen Hisbollah-Funktionärs in der Stadt Maschghara im Bekaa-Tal gewesen, sagten Mitarbeiter des Gesundheitswesens. In der Nacht zum Mittwoch war auch das größte palästinensische Flüchtlingslager im Südlibanon unter Beschuss gekommen. Dabei wurden mindestens ein Mensch getötet, drei weiter Personen wurden verletzt. Das Lager Ein el Hilweh am Stadtrand von Sidon ist das größte von zwölf palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon. Ziel des Beschusses sei das Haus eines Hisbollah-Kämpfers gewesen. Der Fernsehsender der Hisbollah, Al Manar, meldete zwei Tote und acht Verletzte. Es war das erste Mal seit Beginn der Kämpfe im Libanon am 12. Juli, dass Israel gegen ein dortiges palästinensisches Lager vorging.

Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwochmorgen auch Straßen und Überführungen in der nordlibanesischen Provinz Akkar nahe der syrischen Grenze. Über Opfer wurde zunächst nicht bekannt. Die israelischen Militärbehörden meldeten unterdessen den Tod von zwei weiteren Soldaten, die den Kämpfen im südlichen Libanon am Dienstag zum Opfer fielen. Insgesamt sind damit seit Beginn des Libanon-Konflikts am 12. Juli 103 Israelis getötet worden - 67 Soldaten und 36 Zivilpersonen.

Hilfsorganisationen sprechen von 1000 Toten

Doch auch die Zahl der Opfer israelischer Luftangriffe im Libanon stieg weiter an. Nach der Bombardierung des Beiruter Stadtteils Tschiah wurden bis Dienstagabend 30 Leichen aus den Trümmern geborgen. Damit war dieser Angriff vom Montagabend der bislang folgenschwerste für die libanesische Zivilbevölkerung. Das libanesische Gesundheitsministerium gab die Zahl der Toten am Dienstagabend mit 689 an - 605 Zivilpersonen, 55 Hisbollah-Milizionäre und 29 Soldaten. Hilfsorganisation sprachen allerdings von fast 1000 Todesopfern.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, er wolle sich bei seinem Besuch in Israel für eine Verbesserung der humanitären Lage im Libanon einsetzen. "Das Leiden unschuldiger Menschen auf beiden Seiten, sowohl im Libanon wie in Israel, muss ein Ende finden", sagte Steinmeier am Dienstagabend in den ARD-Tagesthemen. Seine Mission sei Teil der internationalen Bemühungen, auf diplomatischem Wege eine Waffenruhe herbeizuführen. Mit Blick auf die erwartete Resolution des UN-Sicherheitsrats sprach Steinmeier von einer "ganz entscheidenden Woche", die einen ersten Schritt zu einer Lösung bringen könnte. Aber: "Eine solche Lösung kann nur funktionieren, wenn sie auch auf Akzeptanz in der Region stößt. Deshalb werben wir hier um Zustimmung sowohl der libanesischen Regierung wie der israelischen Regierung."

Keine diplomatische Lösung in Sicht

Die Akzeptanz des vorliegenden Resolutionsentwurfs stand zunächst allerdings noch offen. Hauptstreitpunkt war die von arabischer Seite vorgetragene Forderung nach dem Abzug aller israelischer Soldaten aus dem Libanon, wie aus UN-Kreisen verlautete. Zu Beratungen über den Text der Entschließung traf am Dienstagabend eine Delegation der Arabischen Liga in New York ein. Liga-Generalsekretär Amr Mussa sowie die Außenminister von Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen bei den Verhandlungen die Interessen des Libanons vertreten. Nach den Beratungen mit der Delegation wollten die USA und Frankreich eine neue Vorlage erarbeiten und dem UN-Sicherheitsrat vorlegen. Ein Abstimmung wird wahrscheinlich nicht vor Donnerstag stattfinden.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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