Milosevic-Tod Ärzte entdecken nicht verordnetes Medikament


Offiziell ist der ehemalige serbische Präsident an einem Herzinfarkt gestorben. Ein Toxikolge hat in seinem Blut nun Spuren eines leberaktivierenden Medikaments gefunden.

Slobodan Milosevic ist tot und vor allem die Serben spekulieren, ob ihr Ex-Präsident im Den Haager Gefängnis eines natürlichen Todes gestorben ist oder gar umgebracht wurde. Offiziell ist Milosevic an einem Herzinfarkt gestorben.

Ein niederländischer Toxikologe hat im Blut des Verstorbenen jedoch Spuren eines nicht verordneten Medikaments gefunden. Er habe Anfang des Jahres "Rifampicin" entdeckt, das die Leberfunktion ankurble, sagt Donald Uges. Dadurch würden andere Medikamente sehr schnell abgebaut.

Er habe die Blutprobe untersucht, nachdem Milosevic nicht auf blutdrucksenkende Mittel angesprochen habe, sagte Uges. Auf Anordnung der Richter nahm Milosevic seine Medikamente unter Aufsicht ein, "aber der (Blut-)Druck hat sich noch immer nicht reduziert". Die wahrscheinlichste Erklärung dafür sei für die niederländischen Ärzte gewesen, dass der 64-Jährige ein weiteres Mittel genommen habe, das den blutdrucksenkenden Medikamenten entgegengewirkt habe. Niederländische Medien hatten berichtet, dass in einer Blutprobe Milosevics vom Januar Spuren eines Medikaments gegen Lepra und Tuberkulose entdeckt worden seien.

"Ungenügende medizinische Versorgung"

Aus dem russischen Außenministerium hieß es zudem, Milosevic habe in einem Brief vor seinem Tod die ungenügende medizinische Versorgung in Den Haag kritisiert und um eine Behandlung in Moskau gebeten. Ein entsprechendes Schreiben an das russische Außenministerium hätten Vertraute Milosevics am Samstag der russischen Botschaft in den Niederlanden übergeben, sagte Ministeriumssprecher Michail Kamynin. Russische Pathologen wollten auf Wunsch von Milosevics Familie zu weiteren Untersuchungen nach Den Haag fliegen.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat unterdessen die Leiche des Serben freigegeben. Nach Angaben seines Rechtsbeistands wird Milosevic in Belgrad beigesetzt. Sein Sohn Marko werde die sterblichen Überreste am Montag oder Dienstag in Empfang nehmen, so Anwalt Zdenko Tomanovic in Den Haag. Dies entspreche dem Wunsch der Familie.

Die Obduktion habe laut des Kriegsverbrechertribunals ergeben, dass Milosevic an zwei Herzerkrankungen gelitten habe. Über die Art der Erkrankungen machte Sprecherin Alexandra Milenov keine näheren Angaben. Sie sagte jedoch, möglicherweise hätten diese zu Milosevics Tod geführt.

In Serbien diskutiert das Land mittlerweile über die Bestattung des ehemaligen Staatschefs. Milosevics Sozialistische Partei hat gefordert, ihn in Belgrad oder seiner Heimatstadt Pozarevac beizusetzen. Auch Milosevics Witwe Mirjana Markovic solle zu der Feier zugelassen werden, sagte Parteisprecher Branko Ruzic. Andernfalls werde die Partei ihre Haltung gegenüber der derzeitigen Minderheitsregierung überdenken. Markovic lebt im Exil in Moskau, in Serbien wird sie - wie ihr Sohn Marko - mit Internationalem Haftbefehl gesucht.

AP AP

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