Montenegro Regierungschef gewinnt Parlamentswahl


Vier Monate nach der Unabhängigkeit Montenegros hat das amtierende Linksbündnis unter Regierungschef Milo Djukanovic die ersten Parlamentswahlen gewonnen. Die proserbische Partei räumte ihre Niederlage ein.

In Montenegro hat das regierende Linksbündnis von Ministerpräsident Milo Djukanovic die erste Parlamentswahl seit der Unabhängigkeit gewonnen. Eine unabhängige Beobachtergruppe erklärte am Sonntag unter Berufung eigener Auszählungen, Djukanovics Partei der Sozialisten und die mit ihm verbündeten Sozialdemokraten hätten zusammen 41 der 81 Sitze im Parlament gewonnen. Auch die Wahlforschungsgruppe CDT erklärte Montagmorgen in der Hauptstadt Podgorica die Djukanovic-Liste aus Sozialisten und Sozialdemokraten zum Gewinner. "Es gibt keinen Zweifel an der absoluten Mehrheit", sagte ein Sprecher ohne weitere Angaben.

Mehrheit dürfte auf jeden Fall stehen

"Dies ist ein Triumph für das europäische Montenegro", sagte Djukanovic in einer Rede vor seinen jubelnden Anhängern in Podgorica. "Wir haben die absolute Macht in Montenegro gewonnen." Andere Wahlforscher sahen Djukanovic zwischen 40 und 42 Sitzen im Parlament. Sollte Djukanovic am Ende ein Mandat zur absoluten Mehrheit fehlen, werde er den einen oder anderen Abgeordneten sicherlich in den Reihen der zerstrittenen Opposition finden, hieß es in ersten Kommentaren der Wahlexperten. Djukanovic hatte Montenegro auch im Mai mit knappem Ergebnis gegen den Willen der Opposition in die Souveränität geführt.

Die Opposition scheiterte mit dem Versuch, den seit eineinhalb Jahrzehnten wichtigsten Politiker im Land abzulösen. Sie hatte ihn bezichtigt, mit wenigen zwielichtigen Geschäftsleuten Montenegro durch Krieg, Schmuggel und Kriminalität ausgebeutet zu haben. Der schärfste Djukanovic-Kritiker Nebojsa Medojevic, Vorsitzender der neu gegründeten Partei PZP, räumte die Niederlage ein zu zeigte sich ratlos. Warum die Hälfte der Wähler für Djukanovic gestimmt habe, obwohl er für die soziale Misere des Landes verantwortlich sei, "ist eine Frage für die Soziologen", sagte er in einer ersten Reaktion. Außerdem zeige das Ergebnis laut Medojevic, dass Montenegro noch nicht bereit sei, sich von dem korrupten und inkompetenten Regime Djukanovics zu befreien.

Proserbische Partei räumt Niederlage ein Die proserbische Sozialistische Volkspartei, die als größter Rivale der Regierungskoalition gegolten hatte, räumte ihre Niederlage ein und sprach von einem enttäuschenden Ergebnis. Die beiden proserbischen Blöcke kamen zusammen auf 23 Sitze, die erst kürzlich gegründete Bewegung für den Wandel, auf elf Sitze. Die Wahlbeteiligung lag nach Schätzungen bei rund 70 Prozent. Die derzeitige Koalition hat im Wahlkampf für eine schnelle Integration Montenegros in die Europäische Union und die NATO geworben. Die proserbischen Parteien haben sich stets gegen die Unabhängigkeit Montenegros ausgesprochen, das nach einem Referendum die Loslösung von Serbien vollzog und im Juni zum jüngsten Staat Europas wurde.

AP/DPA AP DPA

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