Mosambik "M-Ossies" besetzen deutsche Botschaft


Rund 40 Mosambikaner halten die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Maputo besetzt. Die Ex-DDR-Vertragsarbeiter wollen Druck auf ihre Regierung ausüben, weil diese von Ost-Berlin gezahlte Löhne zurückhalte.

Not und Verzweiflung brachen sich Bahn, als eine Gruppe Mosambikaner die deutsche Botschaft in Maputo besetzte. Seit Jahren schon versuchen einstige DDR-Vertragsarbeiter, ihr Recht durchzusetzen. Es geht um Geld und betrogene Hoffnungen. In der Ex-DDR war ihnen ein Teil des Gehalts abgezogen und an die Regierung des südostafrikanischen Landes überwiesen worden. Es sollte ihnen bei der Rückkehr den Aufbau einer Existenz absichern. Doch davon wollte Mosambiks Regierung später zunächst nichts wissen. Erst angesichts anhaltend hartnäckiger Proteste der Heimkehrer - bei deren Niederschlagung es immer wieder Verletzte gab - lenkte Präsident Joaquim Chissano ein.

"Mit allen Mittel weiter Druck ausüben"

Doch die in Aussicht gestellten Abschlagszahlungen in Höhe von knapp 10 Millionen Dollar empfanden Mosambiks "Ossies" - oder "M-Ossies", wie sie selbst scherzhaft nennen - angesichts ihrer Forderungen von bis zu 300 Millionen Dollar als blanken Hohn. Sie fordern Hilfe von der deutschen Botschaft und sehen sich bei ihren Forderungen nicht als Bettler, sondern Anspruchsberechtigte. Manuel Alexandre, der Wortführer ihrer Interessengemeinschaft Forum, hatte bereits vor einem Jahr gewarnt: "Die deutsche Regierung sollte bei diesem Problem Acht geben. Wir sind in einer miserablen Lage und werden wegen unseres Protestes verfolgt. Und wir werden mit allen Mittel weiter Druck ausüben."

Er hielt der Botschaft vor, Sozialversicherungsnachweise der DDR-Heimkehrer zu besitzen und sie ihnen vorzuenthalten. Denn fast alle haben einen schweren Stand bei den Nachweisen, da den Heimkehrern bei der Rückkehr alle Dokumente abgenommen wurden. Auf bis zu 18 000 wird die Zahl der "Ma-Germanes" (Mosambik-Deutsche) geschätzt, wie sie meist in der Öffentlichkeit genannt werden. Viele kamen als Vertragsarbeiter, andere zur Ausbildung. Nach dem Fall der Mauer wurden sie in ihre Heimat zurückgeschickt. Was sie zu Hause erwartete, war meist Armut, Arbeitslosigkeit und obendrein gesellschaftliche Ablehnung. In einem kleinen Park in der Nähe des Arbeitsministeriums in Mosambiks Hauptstadt Maputo trafen sich Mosambiks "Deutsche" lange Zeit.

Die wenige Habe, die sie einst aus Deutschland mitbrachten, haben sie zur Absicherung des täglichen Überlebens längst verkaufen müssen. Nur einige Souvenirs, lockere Kontakte zu Ex-Kollegen und Freunden sowie der nostalgisch verklärte Rückblick sind geblieben. Trotz oft verblüffend guter Deutsch-Sprachkenntnisse haben es aber nur sehr wenige von ihnen in geregelte Arbeitsverhältnisse geschafft. Vielfach begegneten sie nach der Rückkehr Misstrauen und Missgunst. Sie wurden oft als Drückeberger angesehen, die es sich in den harten Kriegszeiten im Ausland gut gehen ließen und dort Vermögen anhäuften.

Geld, das nie ankam

Rund 25 Prozent des Lohnes zog die DDR in den Jahren von 1979 bis 1985 den Vertragsarbeitern ab, danach sogar 60 Prozent. Das Geld wurde Mosambiks Regierung gut geschrieben und stand ihr zur freien Verfügung - sei es zur Verringerung der Schulden, zum Einkauf von Waren oder eben zur Auszahlung an jene, denen es eigentlich zustand. Doch da kam es nie an, behaupten die Rückkehrer.

Ralf E. Krüger/DPA DPA

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