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Nach Ben Alis Flucht Angespannte Ruhe in Tunesien


Nachdem der tunesische Präsident Zine el Abidine Ben Ali ins saudi-arabische Exil geflüchtet war, kam es in der Nacht vielerorts zu Plünderungen. Am Samstagmorgen herrscht gespannte Ruhe in dem nordafrikanischen Land.

Nach der Flucht des tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali ins saudi-arabische Exil herrschte am Samstagmorgen gespannte Ruhe im Land. In der Nacht war es an mehreren Orten zu Plünderungen gekommen, mehrere Gebäude waren in Flammen aufgegangen. In das Gefühl der Freude über den politischen Neuanfang mischte sich die Furcht vor einem Machtvakuum. "Hier herrscht das Chaos, jeder hat Angst", sagte telefonisch ein Tunesier aus der Stadt Bizerte. Besorgte Anrufe von Angehörigen führten landesweit zu einer Überlastung des Telefonnetzes.

In der Nacht hatte es Berichte über einen in Flammen stehenden Bahnhof sowie brennende Supermärkte in Tunis gegeben. Auch ein Krankenhaus soll angegriffen worden sein. Wegen der nächtlichen Ausgangssperre war ein Überblick über den Schaden zunächst schwierig. Am Freitag hatte Ben Ali nach einem knappen Vierteljahrhundert an der Macht den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt. Die Macht übertrug er Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi, der nun als Interims-Präsident regiert. Der will sich am Samstag mit den Führern der politischen Parteien treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Die wochenlangen blutigen Proteste mit Dutzenden Toten hatten sich ursprünglich gegen die hohe Arbeitslosigkeit gerichtet, dann aber immer mehr zum Volksaufstand entwickelt. Wegen des Ausnahmezustands und der Sperrung des tunesischen Luftraums kam es zu Flugausfällen, die die vorzeitige Heimkehr zahlreicher Touristen verzögerten. Reiseveranstalter schätzen, dass mit deutschen Anbietern etwa 7000 Touristen nach Tunesien geflogen sind. In den Urlauber-Hotels blieb es zunächst ruhig.

DPA/mm DPA

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