VG-Wort Pixel

Nach Kritik an Ukraine-Invasion Sender will aufmüpfige Journalistin auf die Krim schicken


Die Journalistin Abby Martin hat Russlands Vorgehen auf der Krim scharf kritisiert. Ihr Sender "Russia Today" will sie nun selbst in die Region schicken. Doch die Moderatorin weigert sich.
Von Timo Brücken

Der TV-Sender "Russia Today" (RT) hat auf die scharfe Kritik seiner Moderatorin Abby Martin an der Krim-Invasion reagiert - jedoch nicht so, wie viele befürchtet hatten: Die Journalistin hatte Russlands Vorgehen auf der ukrainischen Halbinsel gegeißelt, obwohl ihr Arbeitgeber vom Kreml finanziert wird und bisher meist strikt dessen Linie vertrat. Doch RT will Martin nun nicht etwa feuern, viel lieber würden ihre Chefs die Moderatorin selbst auf die Krim schicken. "Damit sie sich im Epizentrum der Story selbst ein Bild machen kann", heißt es in einem Statement des Senders.

Denn Martin hatte bei aller Kritik an der Invasion auch zugegeben, dass sie "nicht so viel über die Geschichte und die kulturelle Dynamik der Ukraine weiß, wie ich müsste". Sie arbeitet für den US-Ableger von RT in Washington, weit weg von den Ereignissen auf der Krim. Das wollen ihre Vorgesetzten nun angeblich ändern. Denn "entgegen der öffentlichen Meinung zwingt RT seine Journalisten nicht, sich unterzuordnen", behaupten sie. "Sie dürfen frei ihre Meinung sagen, sowohl privat als auch auf Sendung." Das gelte auch für Martins Kommentar zur Ukraine. Einen Rüffel für die Journalistin gibt es nicht, nur die Idee, sie mitten ins Geschehen zu schicken.

Bleibt nur ein Problem: Abby Martin will sich nicht versetzen lassen. Auf einen enstsprechenden Artikel des britischen "Telegraph" antworte sie bei Twitter: "Entgegen dem Statement von RT werde ich nicht auf die Krim gehen." Von dem "Angebot" ihres Senders habe Martin erst aus den Medien erfahren, schreibt das "National Journal". In der Sache ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen.

Hier können Sie dem Autor auf Twitter folgen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker