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Zynischer Weihnachtsgruß Republikanischer Politiker provoziert mit Waffenbild – fünf Tage nach Schießerei an Schule

Republikaner Thomas Massie mit Waffe in der Hand
Republikaner und Waffenfreund Thomas Massie wünscht sich vom Weihnachtsmann Munition
© Bryan Woolston / AFP
Ein Weihnachtsgruß mit Waffen – normalerweise nichts Besonderes in den USA. Doch nur wenige Tage nach der Schießerei in einer Schule in Michigan, sorgt das Foto eines republikanischen Abgeordneten mächtig für Ärger.

In den USA hat ein republikanischer Politiker mit einem Weihnachtsgruß für große Empörung gesorgt: Thomas Massie posiert auf dem Foto mit seiner Familie vor einem Weihnachtsbaum – alle halten eine Waffe in den Händen. Dazu schrieb der Abgeordnete aus dem US-Bundesstaat Kentucky: "Frohe Weihnachten. PS: Weihnachtsmann, bitte bring Munition."

Die Nachricht wäre in den USA wohl kaum der Rede wert gewesen, hätte Massie das Foto nicht fünf Tage nach einer tödlichen Schießerei an einer Highschool im Bundesstaat Michigan gepostet: Ein 15-Jähriger hatte an seiner Schule in der Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sieben weitere Menschen. Wie sich später herausstellte, hatte der Vater seinem Sohn die Waffe als "Weihnachtsgeschenk" gekauft. Sowohl demokratische als auch republikanische Politiker äußerten sich deshalb fassungslos über Massies Weihnachtsgruß. 

Entsetzte Reaktionen von Politikern

Besonders scharfe Kritik kam vom demokratischen Abgeordneten John Yarmuth, der ebenfalls Kentucky im Repräsentantenhaus vertritt. "Ich verspreche, dass nicht jeder in Kentucky ein unsensibles Arschloch ist", schrieb er auf Twitter. "Ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, dass Republikaner schrien, es sei unsensibel, wenn man versucht hat, nach einer solchen Tragödie Menschen vor Waffengewalt zu schützen. Jetzt reiben sie uns den Mord an Kindern ganz offen unter die Nase, als hätten sie einen Touchdown erzielt. Eine Schande."

Auch Fred Guttenberg, dessen Tochter beim Parkland-Schulmassaker 2018 getötet worden war, meldete sich zu Wort: "Thomas Massie, wenn wir gerade schon Familienfotos teilen, hier sind meine", schrieb er auf Twitter und veröffentlichte zwei Fotos: "Das eine ist das letzte Foto, das ich von Jaime gemacht habe. Das andere zeigt den Ort, wo sie begraben ist."

Auch mehrere Republikaner verurteilten das Posting ihres Parteikollegen. Adam Kinzinger, ein republikanischer Kongressabgeordneter aus Illinois, warf Massie vor, mit dem Bild seinen "Waffenfetisch" zur Schau zur stellen. Und Anthony Scaramucci, der zwischenzeitlich Kommunikationsdirektor von US-Präsident Donald Trump war, twitterte, er werde alle potenziellen Kandidaten finanzieren, die bei den nächsten Kongresswahlen gegen Massie antreten.

Eltern des Schützen plädieren auf nicht schuldig

Die tödliche Schul-Schießerei in Oxford, Michigan, ist nur der jüngste in einer langen Reihe von Fällen von Waffengewalt, die heftige Debatten über Schulsicherheit, Waffenkontrolle und -rechte ausgelöst haben. Zwar nimmt Massie in seinem Posting nicht direkt Bezug auf die Tat, doch es liegt nahe, dass der erklärte Waffenfreund das Bild mit Verweis auf die aktuelle Diskussion um Waffenverbote gepostet hat. Der Abgeordnete selbst hält auf besagtem Foto eine Schusswaffe, die aussieht wie ein M60 Maschinengewehr. Solche vollautomatischen Waffen sind in den USA nur für Militär, Polizei oder mit einer speziellen Lizenz erlaubt. Es gibt jedoch Gewehre, die extra aussehen sollen wie ein vollautomatisches Maschinengewehr, obwohl sie nur halb automatisch sind. 

In einem seltenen Schritt erhebt die Staatsanwaltschaft in Michigan auch gegen die Eltern des minderjährigen Todesschützen Anklage wegen Todschlags. Sie sollen Warnungen ignoriert haben und mitverantwortlich sein – die Eltern plädierten auf nicht schuldig. James und Jennifer C. seien von den Ereignissen genauso "erschüttert" wie alle anderen Menschen, sagte eine ihrer Anwältinnen am Samstag vor Gericht. Die zuständige Richterin legte die Kaution auf jeweils 500.000 US-Dollar fest, zuvor hatte die Verteidigung eine Summe von maximal 100.000 US-Dollar vorgeschlagen.

Staatsanwältin Karen McDonald forderte jedoch, angesichts der Schwere der Vorwürfe, der Beweislast und des Fluchtrisikos solle die Kaution möglichst hoch angesetzt werden. Die "schreckliche" Tat des Sohnes habe die ganze Gemeinschaft traumatisiert. "Diese zwei Individuen hätten es verhindern können", sagte McDonald. "Sie hätten wissen müssen, dass er gefährlich war und sie gaben ihm eine Waffe und sicherten sie nicht."

Quellen: "Guardian", BBCReuters, mit DPA

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