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Narendra Modi : Aufregung um indischen Premier: Warum folgt er Twitter-Trolls?

Sie beleidigen politische Gegner, werfen mit frauenfeindlichen Äußerungen um sich und feiern die Ermordung von Journalisten. Auf Twitter können Trolls ihren Hass frei verbreiten. Indiens Premier Narendra Modi folgt so einigen von ihnen. Aber warum?

Der indische Premier Narendra Modi bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Beendigung der britischen Kolonialherrschaft

Der indische Premier Narendra Modi bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Beendigung der britischen Kolonialherrschaft

Auf Twitter gehört der indische Premierminister  zu den beliebtesten Politikerpersönlichkeiten der Welt. 35 Millionen Menschen folgen ihm. Der 67-Jährige ist ein fleißiger Twitterer und versorgt seine Fans täglich mit Neuigkeiten. Es war nicht zuletzt seine clevere Social-Media-Strategie, die Modi bei den Wahlen 2014 zum Sieg verholfen hat, schätzen Experten.

Doch seit einigen Wochen hagelt es Kritik. Nicht wegen dem, was der Premier twittert. Sondern wegen dem, was er liest. "Der Großteil der 1845 Leute, denen Modi folgt, sind Politiker, Bürokraten und Journalisten", sagte Pratik Sinha dem britischen Sender BBC. Sie arbeitet für die Website "Alt News", die sich dem Kampf gegen Fake News verschrieben hat. "Doch eine bedeutende Anzahl dieser Leute sind Menschen, die Kritiker und politische Gegner auf die schrecklichste Art und Weise verunglimpfen."

Die meisten von ihnen seien Mitglieder der Bharatiya Janata Party (BJP), der Partei des Premiers. Für sie käme es einem Ritterschlag gleich, von Modi abonniert zu werden. "Doch die meisten von ihnen sind ausgesprochene Frauenfeinde", so Sinha.

Unverständnis unter der Bevölkerung

Nachdem die Journalistin Gauri Lankesh am 5. September 2017 erschossen wurde, twitterte etwa ein Geschäftsmann aus Surat, dem Modi folgt, folgende Worte: "Eine Schlampe starb den einer Hündin und ihr ganzer Wurf heult nun." Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht. Doch Screenshots belegen seine Existenz.

Ein anderer Mann, dessen Account der Premier abonniert hat, twitterte nach dem Tod der Journalistin: "Was du säst, erntest du."

In der Bevölkerung und auch unter der indischen Prominenz erregt es nun Ärger, dass Modi solchen Persönlichkeiten folgt. Als Letzter reihte sich der Schauspieler Prakash Raj unter die Kritiker ein: "Manche dieser Leute, denen unser folgt, sind so brutal und unser Staatschef verschließt die Augen davor", sagte er laut der BBC. Er sei verstört und verletzt. Das Schweigens seines Premiers mache ihm Angst.

"Kein Zertifikat für einen guten Charakter"

Unter dem Hashtag #BlockNarendraModi starteten empörte Bürger nun eine Kampagne gegen Modi. Sie rufen dazu auf, den -Account des 67-Jährigen zu blockieren.

Modis Leiter der Social-Media-Abteilung sah sich inzwischen zu einer Erklärung genötigt. "Die Diskussion darüber, wem der Premierminister auf Twitter folgt, ist boshaft und verzerrt. [...] Er folgt normalen Leuten und tritt gelegentlich mit ihnen in Kontakt. [...] Wenn der Premier jemandem folgt, ist das kein Zertifikat für einen guten Charakter der betreffenden Person", hieß es in dem Statement.

Für die Aktivistin Sinha stellt sich trotzdem die Frage, warum Modi einfach diesen Leuten nicht mehr folgt. Sie denkt, dass dies Teil seiner politischer Strategie sei: "Diese Leute sind keine wirklichen Trolle. Sie sind etwas viel wichtigeres. Sie sind die Fußsoldaten seiner Partei auf Twitter."


ivi
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