Nepal Blutige Proteste in Kathmandu


Mit aller Härte geht die Polizei gegen Demonstranten vor und erschießt mindestens vier Menschen. Zehntausende Nepalesen protestieren gegen die Herrschaft von König Gyanendra. Heute wird seine Ansprache erwartet.

Das Regime in Nepal hat den zweiten Tag in Folge eine Ausgangssperre für die Hauptstadt Kathmandu verhängt. Am Donnerstag waren trotz der Zwangsmaßnahmen und des damit verbundenen Schießbefehls zehntausende Nepalesen auf die Straße gegangen, um gegen die Herrschaft von König Gyanendra zu demonstrieren.

Ansprache vom König erwartet

Rund 30.000 Menschen von den umliegenden Dörfern auf den Weg nach Kathmandu gemacht. Auf einer Hauptstraße versperrten ihnen Polizisten den Weg. Augenzeugen zufolge feuerten sie zunächst Tränengas ab, später dann auch Gummigeschosse und scharfe Munition. Die Polizei erschoss vier Kundgebungsteilnehmer, über 100 Menschen wurden verletzt. Der König will sich Beobachtern zufolge am Freitagnachmittag (Ortszeit) in einer Ansprache an sein Volk wenden. Beobachter erwarteten, dass er Zugeständnisse machen wird, um die sich seit mehr als zwei Wochen eskalierende Krise zu entschärfen.

Indien schickt Gesandeten

Seit dem Beginn der Proteste vor mehr als zwei Wochen sind mindestens dreizehn Menschen ums Leben gekommen. Hunderte wurden dabei verletzt und tausende festgenommen. Die Demonstranten fordern ein Ende der uneingeschränkten Herrschaft des Königs. Gyanendra hatte 2002 das Parlament aufgelöst und im Februar 2005 die eigene Regierung entlassen, und herrscht seitdem selbst. Sein erklärtes Ziel ist es, einen seit Jahrzehnten anhaltenden Aufstand maoistischer Rebellen niederzuschlagen.

Auch das Nachbarland Indien setzt sich für eine Wiedereinführung der Demokratie ein und schickte einen Gesandten zu Gesprächen mit dem König. Der Gesandte äußerte danach Hoffnungen, dass der Monarch mit einer Mitteilung die Situation bald entschärfen könne. Nepal ist ein wichtiger Handelspartner Indiens und wird als eine Art Pufferzone zu China gesehen.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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