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Muhammadu Buhari Ein Diktator kehrt als Präsident Nigerias zurück


Er war bereits Staatschef in Nigeria: Vor 30 Jahren, als er sich an die Macht geputscht hatte. Nun wird Ex-Diktator Muhammadu Buhari neuer Präsident - nicht trotz, sondern wegen seiner eisernen Faust.
Von Niels Kruse

Nigeria hat sich zurück in die Zukunft gewählt. Das riesige Land mit seinen enormen Ölvorkommen und seinen 170 Millionen Einwohnern, die größte Volkswirtschaft Afrikas, wechselt fast reibungslos die Regierung aus. Das allein ist schon bemerkenswert, nur das Ergebnis verwundert noch mehr. Denn mit dem Wahlgewinner Muhammadu Buhari kehrt ausgerechnet ein früherer Diktator in den Präsidentensitz zurück. Ein alter Mann aus der alten Machtelite ist der neue Hoffnungsträger des Landes.

Als Nigeria noch von einer Militärdiktatur in die nächste taumelte, durfte auch der jetzt 72-Jährige einmal ran. 1983 war das, als Buhari den wenige Jahre zuvor gewählten Staatschef aus dem Amt putschte. Allerdings hielt sich der General nur zwei Jahre an der Spitze, in dieser Zeit aber erherschte er sich den Ruf, von dem er heute wieder profitiert: Zwar setzte er die Verfassung außer Kraft, schränkte die Meinungsfreiheit ein und sperrte Gegner weg, aber mit seiner eisernen Faust versuchte er das Dauerproblem Korruption zu bekämpfen. Seitdem gilt er als stahlhart, aber eben auch als integer.

Macht er kurzen Prozess mit Boko Haram?

Buhari stammt aus dem Norden Nigerias, und ist, wie die meisten Bewohner der Region Muslim. Das Land besteht ziemlich genau je zur Hälfte aus Christen und aus Muslimen - wobei letztere jahrzehntelang die Macht unter sich aufgeteilt haben. Nicht wenige behaupten, sie würden bis heute ihren Führungsanspruch als naturgegeben betrachten. Dem Alt-Diktator und Neu-Präsident jedenfalls, der den Christen und glücklosen Staatschef Goodluck Jonathan ablöst, könnte seine Religion zum Vorteil gereichen. Er selbst glaubt, dass nur ein Muslim in der Lage ist, die islamistischen Terrorhorden der Boko Haram in die Schranken zu weisen. Als Juntachef war es ihm zumindest gelungen, den Einmarsch von Truppen aus dem Tschad, einem Nachbarland, abzuwehren. Auch wenn das schon 30 Jahre her ist.

Der Wahlerfolg dürfte für Buhari eine späte Genugtuung sein. Mit seinen 72 Jahren hat er die durchschnittliche Lebenserwartung für Nigerianer bereits um zwei Jahrzehnte überschritten, dennoch befinden ihn die jungen Menschen, und davon gibt es sehr viele in Nigeria, das Durchschnittsalter liegt bei nicht einmal 19 Jahren, als Mann der Zukunft. Außer unter Boko Haram leidet das Land an Armut und wirtschaftlichem Stillstand. Dabei sitzt es auf riesigen Ölvorkommen, doch der Reichtum kommt nicht im Volk an. Erfahrung mit Öl hat Buhari auch. Natürlich. Er war früher Chef des Ölkonzerns PTF - einer dieser Jobs, die sich die Eliten gegenseitig zuschustern, um sich die Pfründe zu sichern.

Früher galt er als abgehalftertes Überbleibsel

Eigentlich ist es genau diese Clique von Leuten, die Nigeria seit Jahrzehnten ausplündert, Leute, die noch bis vor kurzem als abgehalfterte Überbleibsel aus alten Zeiten galten. Weshalb es ihm bei den letzten Wahlen nie gelang, auf den Staatschefsessel zurückzukehren. Nun aber wollen sie ihn und Muhammadu Buhari bekommt seine zweite Chance. In den kommenden Tagen will er sich mit Goodluck Jonathan zusammensetzen, um den Stabwechsel vorzubereiten. Es gibt schlechtere Nachrichten.


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