NORDKOREA Pomp in Pjöngjang


Mit großem Pomp sollen im Frühjahr der 90. Geburtstag des früheren Präsidenten und Staatsgründers und der 60. Geburtstag seines Machtnachfolgers Kim Jong Il zwei Monate lang gefeiert werden. Für das »Arirang«-Festival vom 29. April bis zum 29. Juni rührt der Staat in bisher ungewohnter Weise die Werbetrommel, um auch ausländische Besucher in größerer Zahl als bisher in das abgeschottete Land zu locken. Südkorea, das sich gleichzeitig auf die Fußball-WM im eigenen Land vorbereitet, wartet derweil auf ein Signal aus Pjöngjang zur Fortsetzung des derzeit wieder einmal stockenden Dialogs.

Der stalinistisch geprägte Staat nutzt die Feiern zur Stärkung des Personenkults, den Kim Jong Il von seinem 1994 verstorbenen Vater geerbt hat. Das Land sei bereits jetzt »in einer feierlichen Stimmung gehüllt«, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Kim Jong Ils Geburtstag am Samstag, 16. Februar, ist der wichtigste Feiertag. Ein nahezu endloser Strom von Studiengruppen will in diesen Tagen KCNA zufolge den Geburtsort Kims am Berg Paektu sehen, wo er nach offizieller Darstellung in einem anti-japanischen Widerstandslager 1942 das Licht der Welt erblickt haben soll.

Massenvorstellungen mit Gymnastik- und Tanzeinlagen

Knapp zwei Monate später finden die Feiern im »größten Spektakel des 21. Jahrhunderts« ihren Höhepunkt. Als Teil des »Arirang«-Fests sollen täglich 100 000 Menschen Massenvorstellungen mit Gymnastik- und Tanzeinlagen im 150 000 Zuschauer fassenden Stadion in Pjöngjang geben. Südkorea hatte lange vergeblich gehofft, Nordkorea werde einen Vorschlag zur Ausrichtung einiger WM-Spiele im Juni im Stadion des 1. Mai annehmen und somit WM-Besucher zulassen.

Werbung über das Internet

Dagegen wirbt Nordkorea jetzt über das Internet und Broschüren in chinesischer, japanischer und englischer Sprache um Touristen für das eigene Fest. In Seoul wird damit allerdings kein politischer Kurswechsel verbunden. Experten erklären sich diese Maßnahme damit, dass das Land verstärkt versuche, vor allem dringend benötigte Devisen einzunehmen ohne sich zu sehr zu öffnen. Nordkorea ist nach einer Reihe von Naturkatastrophen in den 90er Jahren und wegen der eigenen Misswirtschaft nach wie vor auf Hilfeaktionen aus Südkorea und anderen Ländern angewiesen. Umso mehr hoffen die Südkoreaner jetzt, dass Kim Jong Il aus Anlass seines 60. Geburtstags den zahlreichen Gesprächsaufrufen aus Seoul eine konkrete Antwort erteilt.

Zur Überraschung Seouls hatte Nordkorea auch eine Einladung zum »Arirang«-Fest nach Pjöngjang für Südkoreaner in Aussicht gestellt. Nach Darstellung von Hyundai Asan, dem südkoreanischen Betreiber des ersten innerkoreanischen Touristenprojekts für das Kumgang-Gebirge in Nordkorea, hätten Staatsbeamte diese Möglichkeit im Januar zur Sprache gebracht. Eine offizielle Einladung liege jedoch bisher nicht vor, sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul. Auch dann müsse erst geprüft werden, ob die Fest-Veranstaltungen in Pjöngjang vor allem Propagandazwecken oder der reinen Unterhaltung dienten.


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