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Verbündete Kurden allein gelassen: "Ich schäme mich": US-Soldaten kritisieren ihren eigenen Abzug aus Syrien

Offiziere der US-Spezialeinheit Green Berets, die in Syrien stationiert sind, haben anonym Auskunft darüber gegeben, was sie von ihrem Abzug halten. Für sie sind Trumps Anordnungen "beschämend". Ein kurdischer Vertreter spricht von "Verrat".

US-Militärfahrzeuge patrouillieren in der syrischen Al-Hasaka-Provinz im Nordosten Syriens

US-Militärfahrzeuge patrouillieren in der syrischen Al-Hasaka-Provinz im Nordosten Syriens

AFP

US-Präsident Donald Trump hat es angeordnet: Die USA ziehen aus Syrien rund 1000 Soldaten ab, die im Nordosten des Landes stationiert sind. Mit ihren Verbündeten von der Kurdenmiliz YPG haben die US-Spezialkräfte den IS in der Region bekämpft – erfolgreich. Gleichzeitig waren die Amerikaner Schutzmacht für die syrischen Kurden sowohl vor der türkischen Armee wie auch gegen die Truppen des syrischen Diktators Assad. 

Deshalb betrachten viele den Abzug als Verrat an den syrischen Kurden – offenbar auch einige Soldaten der abgezogenen US-Spezialkommandos. Die "New York Times" zitiert anonym Offiziere der Green Berets, die dort Seite an Seite mit den YPG-Kämpfern im Einsatz waren: "Sie haben uns vertraut und wir haben dieses Vertrauen gebrochen", sagte ein Offizier. "Es ist ein Schandfleck im amerikanischen Gewissen." Ein weiterer Offizier sagte demnach: "Ich schäme mich."

Donald Trump vor dem Weißen Haus in Washington

Auf kurdischer Seite wird Trumps Anordnung ebenfalls scharf verurteilt. "Das Schlimmste, was man innerhalb der militärischen Logik und dem Kameraden im Schützengraben antun kann, ist Verrat". So zitiert die Zeitung Shervan Darwish, Sprecher des Militärrats der Provinz Manbidsch, die mit der YPG verbündet sind.

US-Armee bildete tausende Kämpfer der YPG aus

Die Zusammenarbeit zwischen den US-Spezialkräften und den kurdischen Milizen war sehr eng. US-Armee bildete tausende Kämpfer der YPG und der Syrischen Demokratischen Kräfte SDF aus (die YPG führt die SDF als größte Miliz an) und versorgte sie mit Waffen. Sie lebten zusammen in Camps und absolvierten unzählige gemeinsame Kampfeinsätze. Wenn es nötig war, unterstützten die US-Soldaten die YPG-Verbündeten sogar bei der Bergung von Verwundeten und Toten. "Wenn sie trauern, trauern wir mit ihnen", sagte General Joseph L. Votel, ein ehemaliger Chef des Zentralkommandos des Militärs, laut "New York Times".

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Solange die US-Armee präsent war, hielt sich die Türkei mit einem militärischen Eingreifen zurück, obwohl ihr die Kurden mit ihren Selbstverwaltungszonen schon lange ein Dorn im Auge waren. Jetzt, angesichts des türkischen Einmarsches im Norden Syriens, hat sich die YPG - aus purer Not - mit Assad und Russland verbündet. Ohne Verbündete wären sie der überlegenden türkischen Armee ausgeliefert.  

"Wir stehen den türkischen Messern jetzt mit nackter Brust entgegen", schrieb der Kommandant der SDF, Maslum Abdi, in einem Beitrag für das US-Magazin "Foreign Policy". Die Regierungen in Damaskus und Moskau hätten Vorschläge gemacht, die Millionen Menschenleben retten könnten. "Wenn wir zwischen Kompromissen und dem Genozid an unserem Volk wählen müssen, werden wir uns mit Sicherheit für das Leben unserer Bevölkerung entscheiden."

Quellen: "New York Times", "Neue Zürcher Zeitung", "tagesschau.de", DPA

tis