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NSA-Datenaffäre: Schriftsteller protestieren gegen Überwachung

"Überwachung ist Diebstahl und missachtet die Menschenrechte ", mit diesen Worten protestieren berühmte Autoren aus aller Welt gegen die Überwachung durch die NSA. Auch Sie können unterschreiben.

Der Bürgerprotest gegen die Überwachung unserer Handys, Mailkonten und Netzwerk-Accounts hielt sich bisher in Grenzen. Als die ersten Enthüllungen von US-Whistleblower Edward Snowden bekannt wurden, war die Reaktion verhalten, die Besucherzahlen auf von Bürgerrechtlern anberaumten Demonstrationen gering und die Reaktionen im Netz eher sarkastisch als empört. Das wollen fünf deutsche Autoren nicht länger hinnehmen.

Der Journalist Jakob Augstein hat zusammen mit den Schriftstellern Juli Zeh, Eva Menasse, Ilija Trojanow und Josef Haslinger auf der Kampagnenplattform change.org einen globalen Aufruf gestartet: "Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter - gegen die Gefahren der systematischen Massenüberwachung" lautet das Schlagwort der Aktion, die bereits von knapp 4000 Unterstützern unterzeichnet wurde.

Alle Menschen haben das Recht, ihre Gedanken in Briefen und Gesprächen frei äußern zu dürfen, heißt es in der Begründung "Dieses existenzielle Menschenrecht ist inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologischen Entwicklungen zum Zwecke der Überwachung massiv einsetzen." Die Macher fordern die Vereinten Nationen dazu auf, eine verbindliche Konvention der digitalen Rechte zu verabschieden.

Fünf Literaturnobelpreisträger haben unterschrieben

Die Initiatoren haben den Aufruf monatelang im Verborgenen vorbereitet. Unter den 500 Erstunterzeichnern, die sie akquiriert haben, sind die wichtigsten Dichter und Denker unserer Zeit, etwa die deutschsprachigen Autoren Günter Grass, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann und Sten Nadolny sowie der Philosoph Peter Sloterdijk. Die US-Autoren T.C. Boyle und Paul Auster unterstützen den Aufruf ebenfalls. Insgesamt haben fünf Literaturnobelpreisträger mitgemacht.

Es habe nur wenige Absagen gegeben, sagt die Schriftstellerin Juli Zeh im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das beweist, dass die Behauptung, den Leuten sei das Thema Überwachung egal, nicht mehr stimmt. Es hat da in den letzten Monaten offenbar einen 'tipping point' gegeben, an dem die Stimmung umgekippt ist", sagt die Buchautorin. Und nur einer habe abgesagt, weil er für Überwachung sei. "Der kam aus Russland, wo es unter den Intellektuellen ja auch eine staatstragende Tradition gibt", sagt Ilija Trojanow der FAZ.

Kritik kommt aus den USA: So habe etwa die “Washington Post“ zurückgemeldet, dass der Aufruf ein sehr provokatives Papier sei. „Wir haben uns kaputtgelacht“, sagt Zeh. Sie hätten die Kampagne mit Absicht nüchtern gehalten, um möglichst viele Befürworter zu finden – was ja auch geklappt hätte.

Ziel des Aufrufs ist ein Bewusstseinwandel in der Öffentlichkeit. „Der UN-Generalsekretär kann das Problem nicht allein lösen, auch nicht der Sicherheitsrat“, sagt Zeh. Es werde sich langfristig nur etwas ändern, wenn sich auf breiter Basis durchsetzt, dass Überwachung die Demokratie gefährde.

Birgit Haas