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Pakistan: Hunderttausende fliehen aus dem Swat-Tal

Die Lage im pakistanischen Swat-Tal nimmt immer dramatischere Formen an: Während die Regierung weiter gegen die Taliban kämpft, stieg die Zahl der Flüchtlinge inzwischen auf 750.000. Regierungssprecher Ishfaq Gondal spricht von einer "humanitären Krise" und fordert internationale Unterstützung.

Mit jedem Tag der Kämpfe im pakistanischen Swat-Tal wird das Elend der Menschen deutlicher. Inzwischen sind nach Regierungsangaben 750.000 Pakistaner auf der Flucht - weit mehr als bislang geschätzt. Hilfsorganisationen waren zunächst von etwa 550.000 Menschen ausgegangen. Die Regierungstruppen setzten unterdessen die Angriffe gegen Stellungen der aufständischen Taliban fort.

Wie Armeesprecher Athar Abbas mitteilte, griffen Sondereinheiten des Militärs ein Trainingslager der Taliban in der Region Peuchar an. Dabei seien den Extremisten "schwere Verluste" zugefügt worden. Einzelheiten nannte Abbas zunächst nicht. In Peuchar soll sich auch Extremisten-Führer Maulana Fazlullah aufhalten. Die Armee hatte vor einer Woche eine neue Offensive gegen die Taliban begonnen, bei der nach Militärangaben bislang 750 Aufständische und 29 Soldaten ums Leben kamen.

Ruf nach internationaler Hilfe

Vor allem die Zivilisten im Swat-Tal sind die Leittragenden der Kämpfe. Regierungssprecher Ishfaq Gondal nannte die Massenflucht aus dem Krisengebiet eine "gewaltige humanitäre Krise": "Wir versuchen, damit fertig zu werden, doch wir benötigen dringend internationale Hilfe." In Islamabad stellten die Botschafter der Vereinigten Staaten und Großbritanniens am Dienstag Soforthilfen in Höhe von umgerechnet 14 Millionen Euro in Aussicht. Am Montag hatte die Bundesregierung zugesagt, drei Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung zu stellen.

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe teilte am Dienstag in Genf mit, durch die Offensive gegen die Taliban gerate die Zivilbevölkerung in dicht besiedelten Gebieten zwischen die Fronten. Die schon jetzt gewaltigen Schäden an zivilen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Gesundheitszentren seien überall zu sehen. Für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR steht die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und Hilfsgütern an erster Stelle. Die Pakistaner, die seit Jahrzehnten den Afghanen geholfen hätten, benötigen nun zusätzliche humanitäre Hilfe, wird UN-Flüchtlingskommissar António Guterres in einem Appell an die internationale Öffentlichkeit zitiert.

Raketenangriffe gehen weiter

Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan wurden unterdessen bei einem neuen mutmaßlichen Raketenangriff des US-Militärs mindestens acht Menschen getötet. Wie der Sender Aaj TV unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, schlugen mehrere Raketen in ein Gebäude im Stammesgebiet Süd-Waziristan ein. Es soll Islamisten als Stützpunkt gedient haben. Den Angaben zufolge soll es sich bei den Opfern um Aufständische handeln. Örtliche Behörden bestätigten den Angriff, machten jedoch keine Angaben zur Identität der Toten.

DPA / DPA
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