HOME

Palästinenser-Ansturm: Ägypten geht gegen Palästinenser vor

Nach der Sprengung von Grenzanlagen haben sich bis zu einer halben Million Palästinenser aus dem Gaza-Streifen in Ägypten aufgehalten. Jetzt versucht die ägyptische Polizei dem Ansturm Herr zu werden - und scheut auch nicht den Einsatz von Schlagstöcken.

Die ägyptische Grenzpolizei versucht, Einwohner des Gazastreifens an der Einreise nach Ägypten zu hindern, wie es aus palästinensischen Kreisen heißt. Nach Augenzeugenberichten zwangen Polizisten Palästinenser an der Grenze zur Rückkehr in den Gazastreifen. Dabei hätten sie auch Schlagstöcke eingesetzt. Auch in der Städten und Dörfern der Sinai-Halbinsel hätten ägyptische Sicherheitskräfte Palästinenser eingekreist und zur Grenze zurückgebracht.

Die Polizei stoppte dabei nach Angaben von Augenzeugen plötzlich alle Lastwagenfahrer, die Lebensmittel und Medikamente nach al Arisch und Rafah bringen wollten. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Palästinenser dürften nur noch bis Freitag in Ägypten bleiben. Die Polizei habe den Befehl erhalten, für ihre Rückkehr zu sorgen. Die USA und Israel hatten die ägyptische Führung aufgefordert, die Lage an der Grenze zum Gazastreifen unter Kontrolle zu bringen.

Bei Verwandten und in Moscheen übernachtet

Schätzungen von Sicherheitskreisen zufolge, sollen sich rund eine halbe Million Palästinenser auf der Sinai-Halbinsel aufhalten. Bewohner von al Arisch berichten, die Palästinenser, die durch Lücken in der Grenzbefestigungsanlage nach Ägypten gekommen waren, hätten bei Verwandten, in Moscheen, Ferienwohnungen und Teestuben übernachtet.

Die Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte die im Gazastreifen lebenden Palästinenser aufgefordert, den Grenzübergang Rafah sofort zu räumen. Nach Medienberichten hat die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas die Sprengung der Grenze über Monate hinweg geplant.

Israel erwägt derweil eine völlige Trennung seiner Verbindungen zu Gazastreifen, nachdem Hamas-Kämpfer die Grenzbefestigung gesprengt haben. "Wenn der Gazastreifen nach der anderen Seite offen ist, haben wir nicht mehr die Verantwortung dafür", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Wilnai. "Daher wollen wir uns davon abtrennen." Nach seinen Worten, würde eine Abtrennung bedeuten, dass die Versorgung des Gebietes mit Strom, Wasser und Medikamenten aus Israel eingestellt werden sollte. All dies könnte von anderen geliefert werden. "Wir sind nur dafür verantwortlich, solange wie es keine Alternative gibt", sagte er. Die Blockade des Gazastreifen begründet Israel mit den anhaltenden Beschuss seines Territoriums von dort aus.

Israelis haben 2005 den Küstenstreifen verlassen

Die letzten israelischen Truppen und Siedler verließen 2005 den Küstenstreifen. Israel kontrolliert noch die nördliche und östliche Grenze Gazas sowie den Flugverkehr und die Küstengewässer. Ägyptische Streitkräfte sind an der Südgrenze des Gazastreifens stationiert.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters