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Palästinenserkonflikt: Keine Einigung, neue Tote

Die Versöhnungsgespräche zwischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas sind ohne Erfolg unterbrochen worden. Im Grenzgebiet zu Israel gab es neue Angriffe.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Fatah-Bewegung und Ministerpräsident Ismail Hanija von der radikal-islamischen Hamas wollen am Sonntag weiter über die Beendigung des wochenlangen Machtkampfs zwischen ihren rivalisierenden Fraktionen beraten. Ein Gespräch der beiden Kontrahenten am Samstagabend in Gaza habe keine Einigung gebracht, hieß es in der Nacht. Beobachter sprachen am frühen Sonntagmorgen jedoch davon, dass sich beide Seiten in vielen Punkten angenähert hätten.

Im Mittelpunkt des Streits steht die so genannte Zwei-Staaten-Lösung, die als indirekte Anerkennung Israels angesehen wird. Abbas will am 26. Juli die Wähler in einem Referendum über die Zwei- Staaten-Lösung abstimmen lassen. Dies wird von der Hamas strikt abgelehnt.

Die Zwei-Staaten-Lösung ist Teil eines Dokuments, das einen palästinensischen Staat neben Israel vorsieht. Das Papier war von einer Reihe in israelischer Haft sitzender Palästinenserführer ausgearbeitet worden.

Auch Streitigkeiten innerhalb der Fatah

Unter Berufung auf Hamas-Angaben berichtete die israelische Zeitung "Haaretz", dass es auch innerhalb der Fatah-Bewegung Streitigkeiten gebe, die eine Einigung erschwerten. Differenzen gebe es weiter über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit unter Mitwirkung von Hamas und Fatah.

Bei den Parlamentswahlen im Januar hatte die Hamas die absolute Mehrheit errungen und die gemäßigtere Fatah aus der Regierung verdrängt.

Seit Wochen tobt zwischen beiden Fraktionen einer Machtkampf mit mehreren Toten vor allem um die Kontrolle des Sicherheitsapparats, der bisher in den Händen der Fatah war.

Wieder Gefechte im Grenzgebiet

Erstmals seit dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen im vergangenen September sind am Sonntag zwei Soldaten bei einem Angriff militanter Palästinenser im Grenzbereich getötet worden. Eine Armeesprecherin teilte mit, ein weiterer Soldat werde vermisst. Berichte, denen zufolge seine Leiche in den Gazastreifen weggebracht wurde, wollte sie zunächst nicht bestätigen.

Die Armee teilte zudem mit, bei dem Vorfall nahe dem Grenzdreieck zwischen Israel, Ägypten und dem Gazastreifen seien drei Soldaten verletzt worden, einer davon schwer. Mindestens zwei militante Palästinenser wurden bei dem Angriff getötet. Zunächst war von drei getöteten Angreifern die Rede gewesen.

Nach Angaben beider Seiten waren am Morgen acht Palästinenser durch einen unterirdischen Tunnel auf israelisches Gebiet bei Kerem Schalom vorgedrungen. In drei Gruppen griffen sie zwei Panzerfahrzeuge und den israelischen Militärposten mit Panzerfäusten und Handgranaten an.

Nach dem Angriff drangen israelische Truppen mit Panzern in den Gazastreifen vor. Die Armee teilte mit, die Soldaten wollten den Eingang des unterirdischen Tunnels untersuchen. Zu dem Angriff bekannten sich drei radikale Palästinenserorganisationen, darunter der militärische Arm der regierenden Hamas-Bewegung. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sprach von einem "schwerwiegenden Vorfall", für den man die palästinensische Autonomiebehörde verantwortlich mache. Israel riegelte alle Übergänge des Gazastreifens ab.

DPA / DPA