Panne bei Hinrichtung Florida setzt Todesstrafe aus


34 qualvolle Minuten lang rang Angel Nieves Diaz mit dem Tod, nachdem man ihm die Giftspritze gesetzt hatte. Nun zieht Floridas Gouverneur Jeb Bush die Konsequenzen aus der verpfuschten Hinrichtung: Er setzt im gesamten US-Bundesstaat die Todesstrafe aus.

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, hat wegen einer schweren Panne bei einer Hinrichtung die Vollstreckung aller Todesstrafen für die kommenden Monate ausgesetzt. Es drohe sonst die Verletzung der Verfassungsrechte, sagte der Bruder des Präsidenten, George W. Bush, laut dem Sender MSNBC am Freitagabend (Ortszeit) in Miami. Eine Menschenrechtsorganisation reichte überdies umgehend Klage beim Obersten Gerichtshof Floridas ein.

34 Minuten Todeskampf

Mit einer Giftspritze war am Mittwoch der 55-jährige Angel Nieves Diaz hingerichtet worden, der erst nach sichtlich qualvollen 34 Minuten gestorben war. Die Injektionsnadeln seien falsch gesetzt wurden. Der 55-Jährige erhielt am Mittwoch daher eine zweite Dosis der tödlichen Chemikalien. Diaz war vor 27 Jahren zum Tode verurteilt worden. Er hatte eine Barangestellte ermordet.

In der Regel dauern Hinrichtungen mit der Giftspritze in Florida weniger als 15 Minuten, der Häftling wird nach drei bis fünf Minuten bewusstlos. Diaz bewegte sich aber offenbar nach 24 Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen. Nach Angaben des ärztlichen Leichenbeschauers durchstießen die Injektionsnadeln seine Venen, statt die tödlichen Stoffe in die Blutbahn weiterzuleiten. An beiden Armen habe Diaz dadurch rund 30 Zentimeter lange chemische Verbrennungen erlitten, sagte William Hamilton. Ob Diaz starke Schmerzen erlitten habe, wollte Hamilton nicht sagen. Dazu werde er sich erst äußern, wenn die Autopsie beendet sei, sagte der Mediziner.

Bislang lägen erst vorläufige Ergebnisse vor, weitere Tests könnten noch mehrere Wochen dauern. Gouverneur Bush erklärte, es werde vorerst keine Hinrichtungen mehr geben, bis eine von ihm nach Diaz' Tod eingesetzte Kommission zur Verwendung der Giftspritze am 1. März ihren Abschlussbericht vorgelegt habe.

Kalifornischer Richter stoppt Giftspritzen

In Florida sitzen 374 Häftlinge in der Todeszelle, in diesem Jahr wurden vier Hinrichtungen vollzogen. Im Jahr 2000 hatte der Staat die Giftspritze eingeführt. Die Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl wurden damals gestoppt, nachdem zwei Todeskandidaten bei der Hinrichtung Feuer gefangen hatten. In den vergangenen Jahren wurden 20 Verurteilte mit der Giftspritze getötet.

In Kalifornien entschied ein Bundesrichter am Freitag, die dort verwendete Giftspritze sei möglicherweise verfassungswidrig. Die Verfassung verbiete grausame und außergewöhnliche Bestrafungen, so Richter Jeremy Fogel in San Jose. Fogel verhängte zugleich ein Moratorium für Hinrichtungen.

DPA/AP AP DPA

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