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Pony-Frisur und Day-Lewis-Imitation: Obama macht auf Scherzkeks

Beim Korrespondenten-Dinner im Weißen Haus geht es traditionell heiter bis lustig zu. Den größten Clown aber hatte US-Präsident Obama selbst gefrühstückt - und präsentierte sich im neuen Look.

Viel zu lachen hatte Barack Obama in den vergangenen Wochen wahrlich nicht: Ein Giftbrief landete im Weißen Haus, der Bostoner Terroranschlag schockierte das Land, die Verschärfung der Waffengesetze fiel durch den Senat. Beim traditionellen Gala-Dinner mit der Presse zeigte sich der US-Präsident am Samstagabend trotzdem so, wie ihn seine Anhänger lieben: schlagfertig, feinhumorig - und äußerst selbstironisch.

"Wenn ich in diesen Tagen in den Spiegel schaue, muss ich zugeben: Ich bin nicht mehr der stramme junge muslimische Sozialist, der ich einmal war", sagte Obama im Washingtoner Hilton Hotel vor rund 2700 Gästen - unter ihnen Hollywood-Größen wie Sharon Stone, Michael Douglas, Kevin Spacey und Barbra Streisand. In konservativen US-Kreisen wird immer wieder das Gerücht gestreut, Obama, der mit zweitem Vornamen Hussein heißt, sei Muslim und nicht in den USA geboren. Obama habe eingesehen, dass mit Beginn seiner zweiten Amtszeit eine Energiespritze nötig sei. "Ich habe einen von Michelles Tricks versucht", verriet der Präsident mit Blick auf die neue Haarfrisur, mit der die First Lady im Januar für Wirbel in der Washingtoner High Society gesorgt hatte. Gezeigt wurden dann mehrere Fotos des Präsidenten - mit Michelles Pony auf die Stirn montiert.

Obama als Day-Lewis als Obama

Die meisten Lacher hatte der 51-Jährige aber auf seiner Seite, als er ein Video in Anspielung auf den Spielberg-Film "Lincoln" präsentierte. ("Der Kerl ist sowieo schon eine lahme Ente, warum warten?"). In dem Einspieler plaudert der Hollywood-Regisseur über sein angeblich neuestes Filmprojekt "Obama" - und die Suche nach einem perfekten Hauptdarsteller. Schnitt zu Barack Obama, der vorgibt US-Schauspieler Daniel Day-Lewis in seiner Verkleidung als Obama zu sein: 'Day-Lewis-Obama' übt den Akzent des Präsidenten vor dem Spiegel und berichtet, wie lange es für ihn gedauert habe, "diese Ohren" am Morgen anzulegen ("Ich weiß nicht, wie er mit diesen Dingern rumlaufen kann!"). Doch neben aller Selbstironie sollten auch die Republikaner ihr Fett wegbekommen: Der Präsident plane, eine neue Charmeoffensive zu starten - und wolle dafür auch die Erzkonservative Michele Bachmann auf eine Bücherverbrennung begleiten.

Zum Abschluss seiner Rede erlaubte sich der sichtlich gelöste Obama dann doch noch eine ernste Note: Der US-Präsident dankte den Medien für ihre verantwortungsvolle Reaktion auf die Anschläge in Boston und die Explosion einer Düngemittelfabrik in Texas. Es seien sehr schwere Tage für zu viele Menschen gewesen, so Obama und erinnerte an die Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit der Mitbürger, die Licht in die Dunkelheit dieser Tragödien gebracht habe.

jwi/AFP/DPA / DPA