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Präsidentenwahl in Türkei: Erdogan gewinnt mit absoluter Mehrheit

Der türkische Regierungschef Erdogan hat die Präsidentenwahl mit 51,96 Prozent gewonnen, wie die nationale Wahlkommission bestätigte. Nach dem Sieg kündigt er eine "neue Ära" für die Türkei an.

Regierungschef Recep Tayyip Erdogan wird der erste direkt gewählte Präsident in der Geschichte der Türkei. Der 60-jährige Konservative sicherte sich am Sonntag im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit und muss deshalb nicht zu einer Stichwahl antreten. Anhänger seiner AK-Partei fuhren in hupenden Autokonvois mit wehenden Fahnen durch die Straßen der Hauptstadt Ankara, als das türkische Fernsehen berichtete, dass Erdogan 51,96 Prozent der Stimmen ergatterte und damit 13 Prozentpunkte mehr als sein wichtigster Rivale. "Das Volk hat seinen Willen kundgetan", erklärte Erdogan. "Wir beenden eine Ära und schreiten fort in eine neue." Kritiker fürchten, dass der neue Präsident einen zunehmend autoritären Staat formen wird.

Erdogans wichtigster Rivale Ekmeleddin Ihsanoglu kommt auf 38,33 Prozent der Stimmen und der linksgerichtete und pro-kurdische Selahattin Demirtas auf 9,7 Prozent. Es handelt sich um die erste direkte Wahl des Präsidenten in der Türkei, wo das Staatsoberhaupt bislang vom Parlament bestimmt wurde.

Geringe Wahlbeteiligung

Erdogan strebt zwei Amtszeiten von je fünf Jahren an. Nach seinem Willen soll das Staatsoberhaupt, das bisher eher repräsentative Aufgaben hatte, mit neuen Befugnissen ausgestattet werden. Kritiker werfen Erdogan vor, das Land zu spalten und seine eigenen Anhänger zu bevorzugen. Erdogan sagte in seiner Siegesansprache, er wolle als Präsident eine neue Periode der sozialen Aussöhnung beginnen.

Zur Wahl waren etwa 53 Millionen Türken aufgerufen. Nach Einschätzung eines OSZE-Beobachters war die Beteiligung im Vergleich zur Kommunalwahl im März gering. Erstmals konnten auch im Ausland lebende Türken in ihren Gastländern ihre Stimmen abgeben. So waren in Deutschland Wahllokale in sieben Städten für die etwa 1,4 Millionen in der Bundesrepublik lebenden Türken eingerichtet worden. Die Stimmabgabe dort endete am vergangenen Sonntag. Danach wurden die Wahlurnen in die Türkei geflogen, wo die Stimmen ausgezählt werden.

ivi/Reuters / Reuters