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Präsidentschafts-Kandidaten: Der konservative Mormone

Mitt Romney ist ein politischer Spätzünder: Mit 47 Jahren bewarb er sich erstmals für ein politisches Amt. Nun will er für die Republikaner ins Rennen um die US-Präsidentschaft gehen. Doch vor allem seine Religion könnte ein Hindernis werden - die Hälfte der Wähler hat Bedenken, für einen Mormonen wie ihn zu stimmen.

Mitt Romney folgt den Fußstapfen seines Vaters - ob als Wirtschaftsmanager, Gouverneur oder jetzt als Bewerber um das höchste Staatsamt der Vereinigten Staaten. Dabei will er aber zumindest bei dem Letzteren erfolgreicher sein als der Vater George Romney, der nach einem Patzer im Präsidentschaftswahlkampf 1968 seine Bewerbung noch vor der ersten Vorwahl in New Hampshire wieder zurückgezogen hatte. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts gilt neben dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani und dem mittlerweile in Umfragen mit an die Spitze aufgerückten Exgouverneur Mike Huckabee aus Arkansas als einer der Favoriten im Rennen um die Spitzenkandidatur der Republikanischen Partei für die Präsidentenwahl 2008.

In die Politik ging der erfolgreiche Investmentbanker und Multimillionär erst relativ spät. 1994, im Alter von 47 Jahren, bewarb sich Romney erstmals um ein politisches Mandat. Damals wollte er gleich ein politisches Schwergewicht vom Sockel stürzen. Bei der seinerzeitigen Senatswahl forderte er den langjährigen Senator Edward Kennedy aus Massachusetts heraus. Romney brachte die Ikone der liberalen Demokraten arg in Bedrängnis, konnte sich aber am Ende doch nicht durchsetzen. Nach der Niederlage legte Romney seine politischen Ambitionen erst einmal auf Eis. 1999 wurde er Vorsitzender des Organisationskomitees zur Vorbereitungen der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. Danach wagte er einen neuen Sprung und bewarb sich erfolgreich um den Gouverneursposten im Staat Massachusetts. Romney nutzte das Amt, aus dem er Anfang 2007 ausschied, zur Vorbereitung seiner Präsidentschaftskandidatur.

Romney wäre der erste Präsident, der den Mormonen angehört

Dass er in die Politik gegangen sei, verdanke er seinem Vater, sagte Romney einmal. Er sei für ihn das große Vorbild. Romneys Vater George war dreimaliger Gouverneur von Michigan und davor Manager in der Autoindustrie. In seinen Wahlkämpfen 1994 und 2002 präsentierte sich Romney noch als gemäßigter Politiker. Mittlerweile versucht er die republikanischen Parteigänger davon zu überzeugen, dass er ein solider Konservativer ist und Abtreibung sowie gleichgeschlechtliche Ehen entschieden ablehnt. Beides sind bei republikanischen Wählern wichtige Themen. Bei vielen stößt Romneys Meinungswandel allerdings auf Kritik. Zum Thema ist in den vergangenen Wochen auch Romneys Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft der Mormonen geworden, denen viele Amerikaner skeptisch gegenüberstehen. Romney musste sich in diesem Zusammenhang gegen heftige Angriffe seines Rivalen Huckabee auf seine Religion wehren. Huckabee, ein baptistischer Geistlicher, hatte in einem Gespräch mit einem Journalisten die Frage gestellt, ob die Mormonen nicht glaubten, dass Jesus und der Teufel Brüder seien.

Inzwischen hat er sich dafür entschuldigt. Romney wäre der erste Präsident, der den Mormonen angehört. Aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage geht hervor, dass bis zu 50 Prozent der wahrscheinlichen Wähler Bedenken hätten, einen Mormonen zum Präsidenten zu wählen. In einem spektakulären Auftritt Anfang Dezember verteidigte seinen Glauben, machte aber auch deutlich, dass er Politik und Religion strikt trenne. Der Auftritt erinnerte an eine Rede John F. Kennedys, der sich 1960 als Präsidentschaftskandidat wegen seines katholischen Glaubens rechtfertigen musste. Er wurde im selben Jahr als erster Katholik zum Präsidenten der USA gewählt. Bei Kennedy wurde die Frage aufgeworfen, ob er sich in seinen Entscheidungen nicht vom Papst als oberste Autorität der Katholiken leiten ließe.

AP / AP