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Proteste gegen Erdogan: Türkischer Demonstrant stirbt im Krankenhaus

Fünf Menschen haben die Proteste in der Türkei das Leben gekostet. Ein junger Mann starb jetzt an den Folgen seiner Verletzungen. Die Regierung hofft auf die Räumung des Istanbuler Gezi-Parks.

Zwei Wochen nach Beginn der regierungsfeindlichen Proteste in der Türkei ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Ein 26-jähriger Demonstrant, der seit dem 1. Juni in einem Krankenhaus in Ankara auf der Intensivstation lag, sei am Freitag seinen schweren Verletzungen erlegen, berichtete CNN Türk unter Berufung auf eine Mitteilung der Klinik.

Dem Bericht zufolge war Ethem Sarisülük bei den Protesten in Ankara zu Boden gegangen, als die Polizei Warnschüsse in die Luft abgegeben hatte. Unter den landesweit fünf Todesopfern sind vier Demonstranten sowie ein Polizist, der in der südtürkischen Stadt Adana bei einem Einsatz gegen Demonstranten von einer Brücke in den Tod gestürzt war.

Die Proteste gegen die türkische Regierung hatten im Istanbuler Gezi-Park begonnen. Das Vorhaben, dort eine osmanische Militärkaserne wiederaufzubauen, war Auslöser von landesweiten Demonstrationen in der Türkei, die seit zwei Wochen andauern. Inzwischen stehen Erdogan und seine Regierung im Zentrum der Kritik.

Erdogan forderte die Demonstranten am Freitag auf, den Park noch am selben Tag zu räumen. "Ich hoffe, dass heute Abend alles vorbei sein wird", sagte er in Ankara. Da es seit zwei Tagen Gespräche der Regierung mit Vertretern der Demonstranten gebe, hoffe er, "dass es klappt".

"Ihr seid lange genug dort geblieben"

Der Regierungschef wandte sich in seiner Rede auch direkt an die Teilnehmer der regierungskritischen Proteste im Gezi-Park. "Ihr jungen Leute seid lange genug dort geblieben und habt Eure Botschaft ausgedrückt", sagte er. Die Bauarbeiten auf dem Parkgelände seien gestoppt worden, "warum wollt Ihr also noch dort bleiben?", fragte Erdogan.

Er bekräftigte Angaben seines Regierungssprechers aus der Nacht, die Umgestaltung des Parks solle bis zu einer Gerichtsentscheidung ausgesetzt werden. Anschließend soll demnach ein Referendum dazu stattfinden. Das Protestbündnis Taksim-Solidarität, in dem zahlreiche Einzelgruppen zusammengeschlossen sind, sollte sich noch am Freitag zu den Ankündigungen der Regierung äußern.

anb/DPA/AFP / DPA