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In Florida: Neonazis denunzieren schwarzen Politiker mit rassistischem Robocall

Andrew Gillum will in Florida Gouverneur werden. Nun wurde der schwarze Bürgermeister wiederholt von Neonazis mit einem sogenannten Robocall denunziert, in dem seine Stimme nachgeahmt wurde, um ihn ins Lächerliche zu ziehen. 

Andrew Gillum bei einer Wahlveranstaltung

Andrew Gillum, Bürgermeister von Tallahassee, der Hauptstadt Floridas, bei einer Wahlkampfveranstaltung. 

AFP

Der Demokrat Andrew Gillum ist Bürgermeister von Tallahassee, der Hauptstadt des Staates Florida. Und er ist schwarz. Für eine Gruppe Neonazis aus Idaho Anlass, den Governeurs-Kandidaten zu denunzieren und seine Stimme in einem sogenannten Robocall nachzuahmen, sprich: ein Automat wählte selbständig Telefonnummern von Wählern und spielte eine Aufzeichnung ab. 

Wie die "Huffington Post" berichtet, bekamen zahlreiche Bürger und potenzielle Wähler am Dienstag diesen Anruf. In einem breiten, etwas hinterwäldlerisch klingenden und absichtlich übertriebenen Dialekt sprach ein Schauspieler in Gillums Namen, behauptete, der Politiker selbst zu sein: "Nun, Hallo. Ich bin der Neger Andrew Gillum, und ich bitte Sie, mich zum Gouverneur des Staates Florida zu machen", beginnt die Aufnahme. 

Mit solchen Robocalls kann man zudem die Stimme mittels eines Computers an das Original anpassen. Hier reichte ihnen wohl der Schauspieler, denn wenn man die Stimmen vergleicht, entdeckt man nur wenige Gemeinsamkeiten - Gillum klingt anders, hat auch keinen Dialekt. Die Aufzeichnung des Anrufes ist inzwischen im Internet zu hören, die "Huffington Post" postete die Datei auf Soundcloud. 

Rassistische und antisemitische Darstellungen 

In der Aufnahme spricht der angebliche Andrew Gillum darüber, dass seine Pläne für die Krankenversicherung nicht viel Geld kosten würden, da er den Menschen Hühnchen als Medizin geben würde. Das bedient ein in den USA stark verbreitetes Vorurteil gegen Afro-Amerikaner, sie würden nur Hühnchen essen. Außerdem spricht der falsche Gillum darüber, dass Juden für ihn stimmen würden,  weil "Juden diejenigen sind, die Neger die Macht über das weiße Volk geben, genau wie sie es damals nach dem Bürgerkrieg getan haben". 

Auch lassen die Neonazis aus Idaho in der Aufnahme einen Affen schreien, um sich über den schwarzen Demokraten lustig zu machen. Die Hintergrundmusik in der Audio-Datei stammt nach Informationen eines Lesers aus der Radio-Show "Amos 'n' Andy", einer kontroversen und beliebten Sendung, die rassistische Ressentiments unterstütze.

Radio-Show "The Road To Power": Lügen, Denunziationen, Propaganda

Am Ende der Aufnahme wird sogar verraten, wer für die Aufnahme gezahlt hat: "The Road To Power", eine rechtsextremistische Website und fremdenfeindlicher Podcast, der schon im August einen ähnlichen Anruf gegen Andrew Gillum startete, als er in den demokratischen Vorwahlen für die Governeurs-Wahl antrat.

In einer früheren Aufzeichung ließen sie den vermeintlichen Andrew Gillum sagen, dass er ein Gesetz erlassen würde, dass Schwarzen erlauben würde, aus der Haft zu fliehen - wenn sie nur glaubten, nichts verbrochen zu haben. Der Mann hinter "The Road To Power" heißt Scott Rhodes, ein Rechtsextremist, der gerne Propaganda zu seinen rassistischen Ansichten veröffentlicht. 

Andrew Gillum: Floridas erster schwarzer Gouverneur?

"Wir hoffen, dass diese Anrufe, und die gefährlichen Leute, die hinter ihnen stecken, nicht noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie schon haben", erklärte ein Sprecher von Gillum am Dienstag. 

Gillum würde der erste schwarze Gouverneur Floridas werden, sollte er gewählt werden. Er musste zahlreiche rassistische Anfeindungen während seinen Kampagnen ertragen. Eine Liste von Anfeindungen gegen farbige Kandidaten in der Politik hat die "Huffington Post" hier zusammengefasst.  

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Quelle: "Huffington Post" / Gainesville.com

wlk