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RÜSTUNG: Erfolgreicher Test des US-Raketen- Abwehrschilds

US-Militärs feiern nach zwei Fehlschlägen einen erfolgreichen Test des umstrittenen Raketen-Abwehrschilds. Eine Interkontinental-Rakete wurde durch eine Abfangrakete zerstört.

Der erste Test der umstrittenen amerikanischen Raketenabwehr in der Amtszeit von Präsident George W. Bush ist am Wochenende erfolgreich verlaufen. Die Abfangrakete traf nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Sonntagmorgen um 05.09 Uhr MESZ in 230 Kilometern Höhe die abgeschossene Sprengkopfattrappe und zerstörte sie. Generalleutnant Ronald Kadish sagte, nach ersten Anzeichen habe alles funktioniert. Die Analyse aller Daten werde aber mehrere Wochen dauern. Der nächste Test des umstrittenen Rüstungsvorhabens ist im Oktober geplant.

8.000 Kilometer in acht Minuten

Der Abschuss am Wochenende war seit 1999 der vierte Test für die Raketenabwehr und der zweite erfolgreiche. Eine mit einer Sprengkopfattrappe versehene Langstreckenrakete wurde am Sonntagmorgen gegen 04.40 Uhr MESZ vom kalifornischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg abgefeuert; die Abfangrakete startete 21 Minuten später rund 8.000 Kilometer entfernt vom zu den Marshall-Inseln gehörigen Kwalajein-Atoll im Pazifik. Acht Minuten danach zerstörte die Rakete die Attrappe planmäßig in etwa 230 Kilometer Höhe. Auf der Übertragungsleinwand im Pentagon leuchtete ein weißer Blitz auf.

Im Oktober geht's weiter

Der 54 Kilogramm schwere Abfangsprengkopf, der über eigenen Antrieb, Infrarotsensor und Computersteuerung verfügt, trennte sich zuvor planmäßig von der Antriebsrakete. Kadish deutete an, die Rahmenbedingungen beim nächsten Test im Oktober komplexer und wirklichkeitsgetreuer zu gestalten. So sollen mehrere Köder eingesetzt werden, um die Abfangrakete vom eigentlichen Ziel abzulenken.

Bush hatte vor dem Test bereits betont, das Raketenabwehrprogramm unabhängig vom Erfolg des Versuchs zu beschleunigen. Der vom Kongress noch nicht bewilligte Etatentwurf für 2002 sieht 8,3 Milliarden Dollar (18,9 Milliarden Mark/9,6 Milliarden Euro) für das Projekt vor. Der Test vom Wochenende kostete die USA rund 100 Millionen Dollar. Laut Kadish sind bis Ende 2002 vier bis sechs weitere Versuche geplant. Zuvor war im Oktober 1999 ein Test geglückt, zwei weitere im Januar und Juli 2000 scheiterten.

Proteste in Kalifornien und Südkorea

Wegen einer Protestaktion der Umweltorganisation Greenpeace musste der Raketentest um zwei Minuten verzögert werden. Vier Aktivisten schwammen von einem Schlauchboot aus zur mittelkalifornischen Küste. Sie wurden von der Küstenwache festgenommen, wie eine Militärsprecherin mitteilte.

Die Raketenabwehr stößt bei den Demokraten im Kongress, aber vor allem im Ausland auf Kritik. Russland und China haben wiederholt vor einem Bruch des ABM-Vertrags von 1972 und einem neuen Wettrüsten gewarnt. Auch NATO-Partner haben Bedenken geäußert.

In Südkorea protestierten rund 100 Demonstranten gegen den Raketenabwehrtest. Sie versammelten sich am Samstag vor einer US-Militärbasis in der Hauptstadt Seoul und verbrannten amerikanische Flaggen. Die Demonstranten schlugen und traten Polizisten, die ihnen die Flaggen abnehmen wollten. Die Teilnehmer des Protests erklärten, die USA gefährdeten mit ihrem Plänen die Stabilität auf der geteilten koreanischen Halbinsel.